Die Weinbrennerkirche in Wössingen

Eine Kirche mit Konzept

  
Nicht nur ihre Außenanlage ist beeindruckend, auch der imposante Innenraum: Die Evangelische Kirche in Wössingen wurde in den Jahren 1817–22 von Friedrich Theodor Fischer, einem Schüler und Mitarbeiter des berühmten Architekten Friedrich Weinbrenner, geplant und gebaut. Bekannte Weinbrenner-Bauten sind zum Beispiel die Evangelische Stadtkirche in Karlsruhe und die Karlsruher Münze.

Fischer orientierte sich am Stil seines Lehrmeisters. Dieser ließ Fischer die Anlage wohl planen, jedoch beaufsichtigte und korrigierte er ihn dabei. So kommt die Kirche zu ihrem inoffiziellen Namen „Weinbrennerkirche“.

Es ist die einzige ausgeführte Anlage in Baden, bei der Pfarrhaus und Kirche auf einer Achse liegen. Dieses Konzept wurde in Wössingen besonders durch die natürlichen landschaftlichen Gegebenheiten erleichtert: Vom Pfarrhaus führt eine große Freitreppe den Berg zur Kirche hinauf, direkt auf die Westfassade zu.

Der Baukörper der Kirche ist zwar groß, aber vergleichsweise schlicht: ein rechteckiges Langhaus mit einfachem Satteldach und rechteckigen Fenstern. Der Akzent liegt eindeutig auf dem dominierenden Campanile. Der Turm bildet, gemeinsam mit der Mittelfassade, ein leicht hervorspringendes Gebäudeteil. Das Hauptportal und die darüber liegenden Fenster sind hingegen stark in die Mauer zurückgesetzt.

Wer die Kirche betritt, befindet sich zunächst in einem Vorraum. Dieser ist schlicht gehalten, zu beiden Seiten führen Treppen zur Empore hinauf. Durch ein Holzportal gelangt man in das Langhaus der Kirche.

Das dreischiffige Langhaus ist besonders hell und in warme Rot- und Goldtöne getaucht. Die Seitenschiffe werden durch kolossale Säulen vom Mittelschiff abgetrennt. Deren vergoldete Kompositkapitelle sind – da die Weinbrennerkirche keine Kriegsschäden erlitten hat – sämtlich gut erhalten. Die Kolonnade wird an den Wänden von Pilastern abgeschlossen, die ebenfalls vergoldete Kompositkapitelle tragen. Die gleiche Art Pilaster finden sich auch an der westlichen Rückwand des Pfarrhauses wieder, eine Spiegelung des Kirchenlanghauses.

Eine weitere Besonderheit der Kirche ist die Kanzel. Sie wurde hinter dem Altar, mittig an der Stirnwand angebracht, integriert in einen Kanzelaltar. Darüber wiederholt sich das große Thermenfenster aus dem Turm. Die Kirche hat jedoch weder Chor, noch Apsis, was sie als typisch klassizistischen Bau ausweist.

Das Geläut der Weinbrennerkirche ist im ganzen Walzbachtal und weit in den Kraichgau hinein zu hören. Dies haben die drei Eisenglocken zu verantworten. Alle drei, nach Christus, Luther und Melanchthon benannt, wurden 1921 geweiht und läuten seither im Dis-Fis-A-Akkord. Im Jahr 2012 wurde ein Bronzepuffer eingebaut, um den Klang der Glocken etwas weicher zu machen. Erst seit der Renovierung vor rund 50 Jahren werden die Glocken elektronisch geläutet. Vorher war es Aufgabe der Dorfjungen, dem Gottesdienst zu folgen und die Glocken über lange Seile zu läuten.

So macht die Wössinger Weinbrennerkirche auch über die Dorfgrenzen hinaus auf sich aufmerksam.

(Lisa-Kathrin Welzel)
 
 
 
 
 

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75045 Walzbachtal