Die Evangelische Kirche in Bötzingen
Vom gotischen Hallenkirchlein zum modernen Gemeindezentrum
Eine Besonderheit ist der auffällige Keramik-Fußboden, der nach dem Vorbild der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gefertigt wurde. Seine Farben symbolisieren den fruchtbaren Lößboden und die Früchte des Kaiserstuhls.
Offen, hell und familienfreundlich
Auf eine flexible Bestuhlung hatte die Gemeinde beim Umbau besonderen Wert gelegt: Da in Bötzingen das musikalische Gemeindeleben sehr vielfältig ist, kann der Innenraum auf diese Weise am besten für die zahlreichen Konzerte bzw. Proben von Chören und Orchestern genutzt werden. Auch der Umbau der Empore, heute nicht mehr beidseitig umlaufend, sondern nur noch über dem Eingangsbereich, trägt zu einem offenen, unbeschwerten Eindruck im Kircheninnern bei. Die Orgel aus dem Jahr 1997 befindet sich in der Bötzinger Kirche nicht über dem Haupteingang, sondern an der gegenüberliegenden Stirnseite im Altarraum.
Im Jahr 2010 veränderte sich vor allem die Außenansicht: Das alte Gemeindehaus aus den 1970er Jahren, welches die Kirche nordseits quasi verbaut hatte, wurde abgerissen und an seiner Stelle ein neues modernes Gebäude mit großen, hellen Räumen und hohen Fensterfronten errichtet. Die Kirche selbst steht seither wieder freier und gut sichtbar. Beide Gebäude verbindet ein gemeinsames Foyer, in dem das Gottesdienstgeschehen per Bildschirm übertragen wird. Dieses praktische Angebot wird u.a. von jungen Eltern sehr geschätzt, wenn der Nachwuchs bei Predigt und Gebet in der Kirche mal zu unruhig wird.
Ökumenischer Glockenklang
Eine kleine Besonderheit der Evangelischen Kirche ist übrigens nicht direkt vor Ort zu finden, sondern in der Bötzinger katholischen St. Alban Kapelle aus dem Jahr 1481: Die älteste in Bötzingen noch vorhandene Glocke (1755) überstand die beiden Weltkriege als einzige, ohne eingeschmolzen zu werden. Im Gegensatz zu ihrer katholischen Kollegin, die zu Beginn des 2. Weltkriegs abgeholt wurde. Die kleine evangelische Glocke hing zu dieser Zeit im Turm des ehemaligen Schulhauses und wurde 1947 als ökumenische Leihgabe in die St. Alban Kapelle gebracht. Im katholischen Glockenstuhl läutet sie seither für Veranstaltungen und Gottesdienste beider Konfessionen. Seit dem 1. Advent 1950 hängt auch in der Evangelischen Kirche wieder ein volles, vierstimmiges Geläut.
(Judith Weidermann)
