Die Evangelische Kirche in Bötzingen

Vom gotischen Hallenkirchlein zum modernen Gemeindezentrum

Nicht immer verbinden sich historische und moderne Bausubstanz so harmonisch miteinander, wie bei der Kirche und dem Gemeindehaus in Bötzingen. Und selten werden auch so große ökumenische Zeichen gesetzt wie hier.

Die Evangelische Kirche in Bötzingen wurde bereits 1583 als kleine Hallenkirche errichtet; 1738 kam ein Dachreiter hinzu. Im Laufe der Jahrhunderte waren immer wieder Umbaumaßnahmen und Renovierungsarbeiten im Innen- und Außenbereich notwendig – so zum Beispiel in den Jahren um 1800 eine räumliche Erweiterung sowie eine neue Kanzel, Ende des 19. Jahrhunderts vier neue bunte Glasfenster nebst Altar und kurz vor dem 1. Weltkrieg die Installation elektrischen Lichts. Drei Renovierungen, die das heutige Aussehen des Gebäudes bestimmen, stechen dabei besonders hervor.
 
1848 wurde die Größe der Kirche im Rahmen eines bereits jahrzehntelang geplanten Umbaus fast verdoppelt und der heutige 35 Meter hohe Turm aus Sandstein in den Baukörper integriert.
 
Größere Baumaßnahmen waren wieder 1994/95 notwendig: Im Rahmen einer statischen Sanierung und architektonischen Erneuerung standen damals nur noch die Außenmauern, welche mit einem Ringanker aus Stahlbeton stabilisiert wurden. Im Kircheninneren verbinden sich seither harmonisch eine schlichte, helle Ausstattung mit einzelnen alten Elementen, die bewusst belassen wurden, etwa die Kirschholzkanzel mit kuppelförmigem Dach aus dem Jahr 1808 sowie Reste des ursprünglichen Mauerwerks im vorderen Eingangsbereich.
 

Eine Besonderheit ist der auffällige Keramik-Fußboden, der nach dem Vorbild der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gefertigt wurde. Seine Farben symbolisieren den fruchtbaren Lößboden und die Früchte des Kaiserstuhls.

Offen, hell und familienfreundlich

Auf eine flexible Bestuhlung hatte die Gemeinde beim Umbau besonderen Wert gelegt: Da in Bötzingen das musikalische Gemeindeleben sehr vielfältig ist, kann der Innenraum auf diese Weise am besten für die zahlreichen Konzerte bzw. Proben von Chören und Orchestern genutzt werden. Auch der Umbau der Empore, heute nicht mehr beidseitig umlaufend, sondern nur noch über dem Eingangsbereich, trägt zu einem offenen, unbeschwerten Eindruck im Kircheninnern bei. Die Orgel aus dem Jahr 1997 befindet sich in der Bötzinger Kirche nicht über dem Haupteingang, sondern an der gegenüberliegenden Stirnseite im Altarraum.

Im Jahr 2010 veränderte sich vor allem die Außenansicht: Das alte Gemeindehaus aus den 1970er Jahren, welches die Kirche nordseits quasi verbaut hatte, wurde abgerissen und an seiner Stelle ein neues modernes Gebäude mit großen, hellen Räumen und hohen Fensterfronten errichtet. Die Kirche selbst steht seither wieder freier und gut sichtbar. Beide Gebäude verbindet ein gemeinsames Foyer, in dem das Gottesdienstgeschehen per Bildschirm übertragen wird. Dieses praktische Angebot wird u.a. von jungen Eltern sehr geschätzt, wenn der Nachwuchs bei Predigt und Gebet in der Kirche mal zu unruhig wird. 

Ökumenischer Glockenklang

Eine kleine Besonderheit der Evangelischen Kirche ist übrigens nicht direkt vor Ort zu finden, sondern in der Bötzinger katholischen St. Alban Kapelle aus dem Jahr 1481: Die älteste in Bötzingen noch vorhandene Glocke (1755) überstand die beiden Weltkriege als einzige, ohne eingeschmolzen zu werden. Im Gegensatz zu ihrer katholischen Kollegin, die zu Beginn des 2. Weltkriegs abgeholt wurde. Die kleine evangelische Glocke hing zu dieser Zeit im Turm des ehemaligen Schulhauses und wurde 1947 als ökumenische Leihgabe in die St. Alban Kapelle gebracht. Im katholischen Glockenstuhl läutet sie seither für Veranstaltungen und Gottesdienste beider Konfessionen. Seit dem 1. Advent 1950 hängt auch in der Evangelischen Kirche wieder ein volles, vierstimmiges Geläut.

(Judith Weidermann)
 
 
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