Die Evangelische Kirche in Gemmingen
Eine der ersten evangelischen Kirchen weltweit
Bereits 1521 feierte die Gemminger Gemeinde zu Weihnachten das Abendmahl in beiderlei Gestalt mit Brot und Wein für die ganze Gemeinde. Der Ritter Wolf von Gemmingen hatte zuvor Martin Luther auf dem Wormser Reichstag gesehen. Am 17. April 1521 wurde Martin Luther dort vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und zum Widerruf seiner kirchenkritischen Thesen aufgefordert. Ihm wurde ein Tag Bedenkzeit gewährt und obwohl Luther sich der Gefahr für sein Leben bewusst war, lehnte er ab. Hier sollen dann auch die berühmt gewordenen Worte Luthers von ihm gesprochen worden sein: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen!“
Daraufhin verhängte der Wormser Reichstag die Reichsacht über Luther. Er war somit vogelfrei – d.h. dass Luther staatenlos wurde und jeder ihn straflos töten durfte. Außerdem durften auch seine Schriften nicht mehr vervielfältigt oder gelesen werden. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise unterschrieb zwar die beschlossene Reichsacht. Ihm Anschluss ließ er aber Luther auf seinem Heimweg gefangenen nehmen und versteckte ihn sicher auf der sächsischen Wartburg. Dort findet Luther Zeit und Gelegenheit, die Bibel zu übersetzen. Erst 1555 wird durch den Augsburger Religionsfrieden erlaubt, ohne Bedrohung oder Strafe lutherisch zu glauben.
Wolf von Gemmingen war vom Reformator Martin Luther bereits auf dem Reichstag zu Worms so beeindruckt, dass er trotz der Schwierigkeiten in seiner Gemeinde Luthers Lehren umsetzte. Dazu beförderte er den Predikanten Bernhard Griebler zum Pfarrer. Bernhard Griebler hatte schon zuvor beeinflusst durch Luthers Thesen gepredigt, konnte aber aufgrund von Widerständen vom Domkapitel in Speyer nicht zum Pfarrer befördert werden. Dieses Mal ging Wolf von Gemmingen jedoch geschickter vor: Er gründete eine Lateinschule und setzte Griebler als deren Leiter ein, denn nach damaligen Gepflogenheiten musste der Leiter einer Lateinschule auch Pfarrer sein. So hatte Wolf von Gemmingen das Domkapitel in Speyer umgangen und den Weg dafür geebnet, dass Gemmingen evangelisch wurde. Seitdem ist die Gemeinde in Gemmingen durchgehend evangelisch.
Neben der Kirche steht das Gemeindehaus. Aus der Motivation heraus, die Schöpfung Gottes nach den eigenen Möglichkeiten zu bewahren, hat sich die Gemminger Gemeinde dem Umweltschutz verschrieben. Und so ist das Gemeindehaus nach energieeffizienten Maßstäben ausgestattet. Außerdem feiert die Gemeinde von Neujahr bis April die Gottesdienste im Gemeindehaus, so dass die Kirche nicht geheizt wird.
Das aktuelle Kirchengebäude wurde 1846/47 gebaut; die ersten zwei Stockwerke des Turms stammen allerdings noch von der vorherigen Kirche. Zuvor stand hier bereits eine Kirche, die im späten 15. Jahrhundert vom Ritter Pleikart von Gemmingen errichten wurde.
Der Innenraum
Der Innenraum der Kirche ist schlicht ausgestattet und helles Licht strömt durch die neugotischen Fenster. Um möglichst viel Licht einzulassen, sind die Fenster sehr groß, weshalb auch die Empore und die Kanzel sehr weit nach oben gerückt worden.
Die Feuerflammen im Fenster
Der Teppich unter der Kanzel
Das Gegengewicht zum Fenster mit Feuerflammen bilden unterhalb der Kanzel zwei Teppiche. 1990 knüpfte ein Gemeindemitglied diese zwei Teppiche nach dem Vorbild von Albrecht Dürer.Der rechte Teppich zeigt den Apostel Paulus mit einem Schwert als Hinweis auf seinen Märtyrertod in Rom. Paulus hieß eigentlich Saulus und verfolgte die ersten Christen, die er für eine gefährliche jüdische Sekte hielt, die es einzudämmen galt. Die Apostelgeschichte erzählt, wie Saulus bei der Steinigung von Stephanos, dem ersten christlichen Märtyrer anwesend war. Kurz danach erfährt Saulus ein einschneidendes Erlebnis, was ihn umkehren lässt. Saulus selbst schildert dieses Erlebnis in der Apostelgeschichte: „Es geschah aber, da ich hinzog und nahe Damaskus kam, um den Mittag, umleuchtete mich schnell ein großes Licht vom Himmel. Und ich fiel zum Erdboden und hörte eine Stimme, die sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Ich antwortete aber: HERR, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst. Die aber mit mir waren, sahen das Licht und erschraken; die Stimme aber des, der mit mir redete, hörten sie nicht. Ich sprach aber: HERR, was soll ich tun? Der HERR aber sprach zu mir: Stehe auf und gehe gen Damaskus; da wird man dir sagen von allem, was dir zu tun verordnet ist. Als ich aber von der Klarheit dieses Lichtes nicht sehen konnte, ward ich bei der Hand geleitet von denen, die mit mir waren, und kam gen Damaskus.“ (Apostelgeschichte 22, 6-11)
Neben Paulus steht der erste Evangelist Markus. Markus versinnbildlicht die Bibelbezogenheit der protestantischen Kirche – gleichzeitig zeigt die gemeinsame Darstellung von Paulus und Markus auch, dass evangelisch-protestantische Gemeinden in der Bibel und der Urchristenheit wurzeln. Sie beziehen sich ganz auf Jesus Christus, wie er in den vier Evangelien beschrieben ist.
Dabei orientieren sie sich an Luthers sola-Prinzipien:
- Solus Christus: Allein Jesus Christus und nicht irgendwelche Heilige vermittelt die Beziehung zu Gott
- Sola Scriptura: Allein die Schrift – die Scriptura – und nicht Konzilien und Tradition sagt uns etwas über Jesus und Gott
- Sola Fide: Allein im Glauben werden wir von Gott angenommen und gerechtfertigt – und eben nicht aufgrund von vermeintlich guten Werken
- Sola Gratia: Allein aus Gnade nimmt Gott uns an – und nicht aufgrund von Verdiensten, Ablassbriefen, Geldbeutel oder sonst etwas.
Eine Besonderheit: Altarkreuz in Ecknische
Die Auferstehung Jesu Christi, das sogenannte Osterwunder, ist Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Die Auferstehung Jesu konnte aber nur nach seinem Tod stattfinden und so gehören Leid und Hoffnung eng zusammen. Das Kreuz erinnert an die Erlösung, die Jesus durch seinen Tod für die Menschen ermöglicht hat. Gleichzeitig bedeutet der Leidenstod am Kreuze, dass sich Gott auch im Leiden solidarisch zum Menschen steht und der Tod nicht das Ende ist.
Der evangelische Theologe Friedrich von Bodelschwingh hat dieses Zusammenspiel von Jesu Kreuzestod und Auferstehung zu Zeiten äußerer Bedrängnis in seinem Karfreitagslied von 1938 besonders eindrucksvoll gefasst:
„Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.
Nun in heilgem Stilleschweigen
stehen wir auf Golgatha.
Tief und tiefer wir uns neigen
vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte
und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte
in des Todes Rachen ging.
Doch ob tausend Todesnächte
liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte
triumphieren fern und nah,
dennoch dringt als Überwinder
Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder,
führt zum Leben er empor.
Schweigen müssen nun die Feinde
vor dem Sieg von Golgatha.
Die begnadigte Gemeinde
sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen;
ja, wir preisen deine Treu;
ja, wir dienen dir von Herzen;
ja, du machst einst alles neu.“
Weinstock und Reben
Empore: Abgetretene Stufen
Abschied aus der Kirche und Torspruch








