Zentraler Blickfang der Durlacher Stadtkirche ist die lebensgroße Kreuzesfigur, die aus einem einzigen Sandsteinblock gestaltet wurde. Sie steht mittig im Altarraum, vor Triumphbogen und Chor und zieht allein schon durch diese Positionierung die Blicke auf sich. Je nach Lichteinfall und Beleuchtung fallen die Schatten des Kruzifixes aus dem 16. Jahrhundert zwischen die drei zentralen Chorfenster. Dieses Licht- und Schattenspiel erinnert an die Verbrecher, die rechts und links von Jesus mitgekreuzigt wurden. Das rund 5m hohe Sandsteinkruzifix stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es stand zunächst auf dem alten Friedhof von Durlach und fand 1967 seinen Weg in die Stadtkirche.
Das Kreuz erinnert an die Auferstehung Christi von den Toten. Daran bekommen Glaubende Anteil. Sie werden ebenso ein neuartiges Leben bekommen und befreit sein vom Tod. Es ist Zeichen des Beginns und des Endes und ist zum wichtigsten Zeichen des Christentums geworden. In sich vereint es das menschliche Leiden und mit dem Verweis auf die Auferstehung Jesu auch die christliche Hoffnung. Der Tod am Kreuz war eine im Altertum häufig verwendete Methode zur Hinrichtung von Verbrechern – auch deshalb, weil es zu einem sehr grausamen und langsamen Tod führte. Das Kruzifix erinnert an die Kreuzigung und den schmerzvollen Tod Jesu. Es steht sinnbildlich auch für menschliches Leiden und Sterben im Allgemeinen, aber auch für menschliche Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Das Kreuz symbolisiert zugleich die Befreiung und das ewige Heil, da es an die Auferstehung Jesu erinnert.
Der Tod wird in der Stadtkirche auch noch an anderer Stelle thematisiert: den historischen Grabmälern. Die ältesten Grabmäler, die bei den Renovierungsarbeiten der Kirche Ende der 1990 Jahre entdeckt wurden, stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Ein großer Teil der Grabmäler stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Einige besonders gut erhaltene Exemplare wurden an der Westwand der Kirche direkt unter der Orgelempore angebracht. Im Chorraum wurden die Grabplatten der Durlacher Markgrafen Karl August Johann Reinhard und Christoph angebracht, die als Söhne des Markgrafen Karl Wilhelm im 18. Jahrhundert verstorben sind. Die Südseite der Kirche schmückt außerdem ein kunstvoll dekoriertes Epitaph der Freifrau Dorothea von Pelcke, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert.
Leben und Sterben stehen in der Durlacher Stadtkirche mit ihrem lebensgroßen Kruzifix und der Vielzahl an Grabmälern im Mittelpunkt. Die Grabmäler betonen die Vergänglichkeit des Menschen im Angesicht Gottes und der Ewigkeit. Trost und Hoffnung bietet der Blick zu Jesus am Kreuz, dessen Tod bereits die Auferstehung Christi ankündigt. Martin Luthers Osterlied „Christ lag in Todesbanden“ findet dafür eindrucksvolle Worte:
„Christ lag in Todesbanden,
für unser Sünd gegeben,
der ist wieder erstanden
und hat uns bracht das Leben.
Des wir sollen fröhlich sein,
Gott loben und dankbar sein
und singen Halleluja.“