Die Johanneskirche in Ettlingen

1880 erbaut - als erste evangelische Kirche in Ettlingen

  
große Schale mit Sand. In der Mitte eine rote Kerze und außenherum Teelichter
Über die Jahrzehnte hat die Johanneskirche viele Umgestaltungen erlebt - einige bauliche „Narben“ sind an den Außenwänden sichtbar, wie z.B. unter den mittleren Kirchenfenstern auf der Südseite des Mauerwerks: Dort befand sich ursprünglich der Haupteingang. Dieser wurde im Zuge der Renovierung im Jahre 1962 zugemauert.

Die Johanneskirche ist die älteste evangelische Kirche in Ettlingen. Es dauerte sehr lange bis sich die Reformation in Ettlingen voll entfalten konnte. Personen, die nicht katholisch bleiben wollten, wurden zeitweise zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt. Eine entscheidende Wendung brachte das Jahr 1771: Ettlingen wurde von der katholischen Linie des badischen Hauses von Baden-Baden aus regiert. 1771 starb der letzte Herrscher aus dieser Markgräflichen Linie und mit ihm erlosch das katholische Markgrafenhaus. Aufgrund eines Erbvertrags fielen alle Ländereien des Verstorbenen an den evangelischen Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach - unter seiner Regentschaft kam es nach mehr als 250 Jahren zur Wiedervereinigung der Markgrafschaft Baden.

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der evangelischen Christinnen und Christen in Ettlingen und Umgebung schnell zu. Zunächst wurden evangelische Gottesdienste in der ehemaligen Schlosskapelle, dann in der Aula eines benachbarten Schulhauses gefeiert. Der Wunsch der evangelischen Kirchengemeinde nach einer eigenen - größeren - Kirche wuchs von Jahr zu Jahr. Mit dem ersten Spatenstich am 24. September 1878 begannen schließlich die Bauarbeiten für die lang ersehnte neue Kirche. Architekt war Kirchenbaurat Ludwig Diemer. Am 29. Juni 1880 wurde die Kirche (noch ohne Namen) mit einem großen Festzug und einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.
 
 

Kirchenschiff

In ihrer über hundertjährigen Geschichte hat die Johanneskirche mehrere bauliche Veränderungen durchlebt - die ersten in den Jahren 1923 bis 25. Die Kirche erhielt eine neue Kanzel und drei große Wandgemälde: „Der segnende Christus“ im Chorbereich hinter dem Altar, sowie je links und rechts an den Flächen neben dem Chorraum die „Apostel Johannes und Paulus“.

In der Nachkriegszeit herrschte die zwiespältige Situation der herrschenden Not auf der einen Seite und dem aufkommenden Wohlstand auf der anderen Seite. Um als Kirche glaubwürdig zu bleiben, entwickelte sich beim Kirchenbau eine besondere Bescheidenheit. Der Prunk wurde aus den alten Kirchenbauten verbannt. Alles farbige verschwindet. So auch 1962 alle Wandgemälde im Chorraum der Johanneskirche.
 
Ebenfalls im Jahr 1962 wurde der Haupteingang an der Südseite zugemauert. Er raubte dem Innenraum Achse und Orientierung und zwang zu einer ungünstigen Aufstellung des Kirchengestühls. Der Altar und die Kanzel wurden durch einen neuen Altar und eine neue Kanzel (aus Travertin) ersetzt. Anstelle der Wandgemälde erschuf der Pforzheimer Künslter Wolfgang Kappis in der Apsis drei runde Kirchenfenster, sowie das Kreuz über dem Altar.
 
Für den damaligen Kirchenchor reichte der Platz auf den Emporen nicht mehr aus und so wurden sie erweitert. Kunstmaler Ernst W. Kunz gestaltete für die Emporen die Brüstung. Diese haben eine sehr interessanten Oberflächengestaltung. Je nach Lichteinfall in der Kirche kann man an der Brüstung ein Wechselspiel von Licht und Schatten entdecken. Die eigene Phantasie werde angeregt und man entdecke eigene Bilder - so die Intension des Künstlers.
 
Bei der letzten Renovierung im Jahr 2004/05 wechselte die Kanzel auf die Südseite, der Taufstein auf die Nordseite und das Altarkreuz bekam seinen jetzigen Platz - schwebend über dem Altar.
 

Altarraum

Der Altar steht bei vielen Kirchen - so auch hier - im Osten des Gebäudes. Der Grund hierfür ist die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang, der ein Symbol der Auferstehung ist. Der Altar soll an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern an Gründonnerstag erinnern. Er bildet zusammen mit der Kanzel und dem Taufstein das Zentrum des Gottesdienstgeschehens.

Im Gegensatz zu einer katholischen Kirche finden Sie in einer evangelischen Kirche immer eine aufgeschlagene Bibel auf dem Altar - achten Sie beim Besuch einer anderer Kirche gerne einmal darauf.
Links neben dem Altar finden Sie einen Sockel für die Taufschale. Die Taufe ist der Ritus der Aufnahme in die christliche Gemeinde. In der Taufe wendet sich Gott dem Täufling zu, ohne Vorbedingungen zu stellen. Die Taufe - ein Geschenk Gottes an jede Getaufte und jeden Getauften.
 
Die im Altarraum aufgestellten Kerzen symbolisieren Jesus Christus, der sich selbst als „Licht der Welt“ bezeichnet hat. Sie sollen uns daran erinnern, dass der Tod vor dem Leben und die Finsternis vor dem Licht weichen muss. Die große Kerze neben dem Altar nennt man Osterkerze. Jedes Jahr zu Ostern wird eine neue Kerze entzündet, die in Gemeindegruppen, oft mit Kindern, gestaltet wird.
 
Eine Kanzel in direkter Nähe zum Altar ist ein weiteres Markenzeichen einer evangelischen Kirche. Hier halten die Pfarrerinnen bzw. Pfarrer etwa in der Mitte des Gottesdienstes ihre Predigten. Das Wort „predigen“ kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt: „öffentlich bekannt machen, etwas laut verkündigen“. Eine Predigt ist somit eine öffentliche Rede, die einen biblischen Text interpretiert. In der evangelischen Kirche entwickelte sich die Predigt zum Schwerpunkt des Gottesdienstes.
 

Kreuz

Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Christentums. Fast in jeder Kirche gibt es mindestens ein Kreuz. Meist kann man sogar mehrere Kreuze in einer Kirche entdecken.

Das über dem Altar hängende Kreuz ist ein Auferstehungskreuz. Im Gegensatz zu einem Kruzifix ist dieses Kreuz leer: Der gekreuzigte Jesus hängt nicht mehr am Kreuz, sondern hat den Tod überwunden.
 
Das von Wolfgang Kappis gestaltete Kreuz besteht aus kleinen Stahlplatten und Bergkristallen, die unter dem Schein eines Lichtstrahlers zu funkeln beginnen. Ein Auferstehungskreuz soll uns Lebenden die Angst vor dem nehmen, was da irgendwann einmal auf uns zukommen mag.
 
Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Kreuz betrachten? Welche Botschaft steckt für Sie persönlich in der Auferstehung Jesu?
 

Kirchenfenster

Kirchenfenster sind gemalte Bilder aus Glas, deren Wirkung durch das durchscheinende Licht entsteht. Kirchenfenster nehmen meist Bezug auf eine oder mehrere Bibelstellen, die es vom Betrachter bzw. von der Betrachterin zu entschlüsseln gilt - so auch bei den drei gestalteten Kirchenfenster in der Apsis der Johanneskirche. Durch die drei Fenster leuchten Symbole aus Evangelium und Offenbarung.

Im mittleren Fenster kann man einen Adler entdecken. Ein Adler ist das Symbol für den Apostel Johannes - der Namensgeber dieser Kirche. Im linken Fenster kann man eine Taube finden, das Symbol des Heiligen Geistes. In zwei Fenstern wird durch einen hellen Kreis das wachsames Auge Gottes angedeutet. Ebenso ist eine säende Hand abgebildet, die auf das Gleichnis Jesu vom Sämann Bezug nimmt. Die sieben Siegel der Offenbarung sind im rechten Kirchenfenster versteckt.
 
Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und betrachten Sie die drei Kirchenfenster eine Weile. Welche weiteren Symbole können Sie noch entdecken?
 

Johannisbibel

Eine Kirchengemeinde lebt davon, dass Menschen ankommen und sich wohl fühlen, sich kennen lernen, mitmachen und natürlich gemeinsam Gottesdienst feiern. Die Evangelische Johannesgemeinde in Ettlingen möchte eine offene und einladende Gemeinde sein, in der Menschen im Glauben gestärkt werden und mit ihren Fragen willkommen sind.
 
Im Rahmen eines sehr außergewöhnlichen Projekts haben 100 Gemeindeglieder über tausend Seiten aus der Bibel handschriftlich abgeschrieben. Dabei hat jede und jeder die Abschnitte der Bibel abgeschrieben, die für sie bzw. ihn einen besonderen Stellenwert hat. So entstand eine „Johannesbibel“ mit einer sehr persönliche Auswahl von Bibelstellen.
 

Glocken

 
(Ulli Naefken)
 
 
 
 
 

Ihr Weg zur Kirche

 
Für Navigationsgeräte
Friedrichstraße 12
76275 Ettlingen