Die Heilig-Geist-Kirche auf der Insel Reichenau

Teil eines UNESCO-Weltkulturerbes

Diese Kirche ist ein wahres Kleinod. Zum Einen durch ihre Lage auf der Insel Reichenau, die in Gänze zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, zum anderen besticht sie durch ihre funktional schlichte Architektur und auf den zweiten Blick durch ihre anmutig bescheidene Eleganz.

Das Bauwerk basiert auf Entwürfen des Architekten Herbert Kölsch, der Grundstein wurde 1961 gelegt und nach drei Jahren Bauzeit wurde die Kirche 1964 eingeweiht. Durch ihre schlichten architektonischen Eigenschaften sind von außen Kirchturm, Kirchenraum sowie Nebenräume leicht zu erkennen.

Im Turm befinden sich drei Glocken, die die Menschen zu Gott rufen: Die große "Betglocke” (1260 kg, Durchmesser 125 cm, Ton f’-¼), die mittlere "Kreuz- und Schiedsglocke” (895 kg, Durchmesser 111 cm, Ton g’-¼), die zudem den Beinamen "Matthias-Hohner-Gedächtnisglocke” als Referenz auf einen 1962 tödlich verunglückten Besitzer von Schloss Königsegg besitzt, sowie die kleinste "Taufglocke” (530 kg, Durchmesser 94 cm, Ton b’-¼).

Das Innere der Kirche wirkt trotz der geringen Größe der Kirche sehr geräumig. Die Ostwand der Heilig-Geist-Kirche birgt den Altar und drei farbintensive Buntglasfenster.

Das Nordfenster zur Linken zeigt dir Taufe Jesus durch Johannes den Täufer im Jordan. Die Farben sind hauptsächlich in blau und rot gehalten. Dabei steht blau für das Wasser, mit den Jesus getauft wird. In der klassischen Farbenlehre steht blau auch für die Treue, im übertragenen Sinn steht die Taufe also für die Treue, die man gegenüber Gott durch den Glauben schwört. Die roten Tropfen stehen hingegen für Feuer, das vom Himmel regnet und steht symbolisch für den Heiligen Geist und den Glauben, zu dem er die Menschen befähigt.
 
Hoch oben in der Mitte der spitz zulaufenden Ostwand prangt ein buntes Rundglasfenster. Das Motiv darauf ist eine stilisierte Taube im Abwärtsflug, umringt von einem Flammenkreis. Oft werden von Besuchern aber auch andere Motive entdeckt, wie beispielsweise ein Fisch, Löwe, Tiger, Elefant, Delfin oder gar eine böse Fratze. Was man auch immer zu erkennen glaubt, steht für die Darstellung des Heiligen Geistes: "Der Geist weht, wo er will." (Joh 3,8). Auch greift das Rundfenster die Thematik des großen Tauffensters auf; als würde das Feuer des Heiligen Geistes von einem Fenster ins andere überspringen.

Das große Buntglasfenster auf der Südseite wird auch Pfingstfenster genannt. Es erzählt die Pfingstgeschichte, wie der Heilige Geist auf die Jünger kommt. Auch hier, wie im anderen großen Fenster, spielt die Symbolik von Feuer eine Rolle. Und auch hier wirkte es, als spränge das Feuer des Heiligen Geistes vom Rundglasfenster in das Pfingstfenster über und in die Jünger hinein. Durch die südliche Ausrichtung dieses Fensters scheint die Sonne oft hindurch und es wirkt fast so, als schicke das Licht den Heiligen Geist zur Gemeinde.

Unter dem Rundfenster steht der Altar; seine außergewöhnliche Form ist der Beschreibung der Bundeslade in 2. Mose 25, 10-16 nachempfunden: "Macht eine Lade aus Akazienholz; zwei und eine halbe Elle soll die Länge sein, anderthalb Ellen die Breite und anderthalb Ellen dir Höhe”. Dies entspricht etwa 125 cm Breite x 75 cm Tiefe. Auch solle die Lade mit feinem Gold überzogen werden. Dies wurde durch die Verwendung von Bronze angedeutet. Und es sollen Ringe und Stangen an der Lade angebracht werden, dies entspricht der Aufhängung der drei metallenen Antependien, den Metallplatten an der Altarfront. Sie stehen für die verschiedenen Erscheinungsformen Gottes (von links nach rechts):
Gott als Schöpfer.
Gott in seinem menschgewordenen Sohn.
Gott als der Heilige Geist.
Das Gesetz, das in die Lade gelegt wurde, wird in dieser Altarthematik durch die Bibel, Gottes Wort, auf dem Altar symbolisiert.

Vor dem Altar steht in der Mitte des Kirchenraumes die goldene Taufkugel. Ihre Runde Form soll dabei die Weltkugel darstellen, das Koptische Kreuz obenauf steht dabei für Jesus Christus, der sich für diese Welt hingegeben hat. Auch ist die zentrierte Position der Taufkugel von Bedeutung: Sie steht im Mittelpunkt der Kirche, da die Taufe Kernstück des christlichen Glaubens ist, sie ist der Beginn des Glaubens.

Unterhalb des Pfingstfensters befindet sich die Kanzel. Ihre Runde Form symbolisiert - wie die Taufkugel - die Welt und erinnert an einen Korb am Mast eines Schiffes. Dies passt auch sehr gut zur Kanzelbebilderung aus Messing, die den Fischzug von Simon Petrus im See Genezareth zeigt. Die Bilder stehen symbolisch für die Menschen- und Bodenseefischerei. So wird symbolisch die Nähe der Kirche zu den weltlichen Lebensumständen der Gemeindeglieder geschaffen.

Wendet man den Blick nun der Rückwand der Kirche zu, so erblickt man oben auf der Empore die Walker-Orgel von 1949. Sie kam im Jahr 1964 aus Wollmatingen. Nach dem Umzug wurde ihr Prospekt an die räumlichen Gegebenheiten der Heilig-Geist-Kirche angepasst. Sie besitzt zwei Manuale sowie 12 Register und die Ausrichtung ihrer Pfeifen erinnert stark an die Flügel eines Engels oder einer Taube.
 
(Joelle Kollum, Ulli Naefken)
 
 
 
 
 

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