Die Peterskirche in Heidelberg
Kirche für Universität und Stadt
Die erste Peterskirche ist die älteste Kirche der Heidelberger Altstadt und sogar noch vor der wahrscheinlich 1220 erfolgten Stadtgründung erbaut worden: 1196 ist St. Peter aus einer Urkunde erschließbar, die gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Heidelberg darstellt. Von dem spätromanischen Kirchenbau sind jedoch kaum Überreste erhalten.
In den heutigen Ausmaßen entspricht sie in etwa den spätgotischen Erweiterungen und Neubauten, die im März 1485 unter Kanzler Alexander Bellendörfer begannen und 1496 abgeschlossen waren. Sein Grabmal ist auch das älteste erhaltene im Kircheninnern (in der Gebetskapelle). Insgesamt sind 90 Epitaphien im Innenraum der Kirche und weitere 66 an den Außenwänden zu sehen. Zahlreiche Grabmäler des Adels, der Hofbeamten und der Universitätsangehörigen sind erhalten. Im Chorraum, in der Nähe des damaligen Hochaltars, wurde auch der Gründungsrektor der Universität, Marsilius von Inghen (1340-1396), begraben. Daran erinnert heute eine Tafel im Fußboden der sog. Universitätskapelle. Die Universität übte 1400-1554 das Patronatsrecht aus und war von Beginn an mit St. Peter verbunden. Seit 1896 ist die Kirche Universitätskirche.
Nach wechselhafter Geschichte (barocker Wiederaufbau im 18. Jh. nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg [1689-93]) zerfiel die Kirche zu einer Ruine, die von den Romantikern allerdings geschätzt und – von Efeu umrankt – auch gern gemalt wurde. Nach der Union der reformierten und lutherischen Gemeinden (1821) wäre die Kirche fast abgerissen worden, da sie neben der Heiliggeist- und der Providenzkirche überflüssig schien. Mehrere Faktoren führten nicht nur zum Erhalt, sondern zur Erneuerung: Das 1838 gegründete Predigerseminar, das eng mit der Theologischen Fakultät verbunden war, benötigte eine Kirche für Seminargottesdienste; der Bachverein suchte einen angemessenen Konzertort, und durch Landverkauf zugunsten der Odenwald-Eisenbahn waren erhebliche finanzielle Mittel vorhanden.
Der neogotische Umbau (1863-70) ließ eine dreischiffige Hallenkirche entstehen, die auf den Chorraum ausgerichtet ist. An der Stirnseite wurden 1869 drei neogotische Farbfenster eingebaut. Der heutige Innenraum zeugt von diesem Umbau, während die Neogotik an den Außenwänden und am Dach im Zuge von Sicherungs- und Renovierungsarbeiten (1961-63) entfernt wurde; auch wurde der Turm nun durch ein Kupferdach und Schieferabdeckungen vor Witterungseinflüssen geschützt. Wird heute diese Entfernung historistischer Neogotik von vielen als ästhetischer Makel angesehen, galt sie damals als denkmalpflegerische Leistung.
Bei der letzten großen Renovierung des Innenraums (2004-05) wurden u.a. die alten Farbgebungen wiederhergestellt, ein neues Raum- und Lichtkonzept verwirklicht und neue Prinzipalstücke (Altar, Kreuz, Lesepult, Taufstätte, Osterkerzenständer) von Matthias Eder entworfen, deren klare kubische Formen in einem spannungsvollen Kontrast zu dem von Grabdenkmälern geprägten Chorraum stehen.
Im Zuge dieser Renovierung wurde im Kirchenvorstand die Idee entwickelt, den bekannten Zeichner, Maler und Glaskünstler Johannes Schreiter um Entwürfe für einige Fenster zu bitten. 2005 entstanden die Entwürfe für die drei Fenster der Universitätskapelle („Begegnung“, „Auferstehung“, „Verfolgung“), wenig später die Idee des Friedensfensters für die Gebetskapelle. Diese vier Fenster wurden 2006 eingebaut. 2009/10 entstanden weitere Entwürfe für die drei freien großen Fenster im Kirchenschiff („Himmlisches Jerusalem“, „Heiliger Geist“, „Taufe“) und die beiden kleinen romanischen Fenster („Wort“ und „Sakrament“). Sie alle konnten von 2010 bis 2012 schrittweise realisiert werden, so dass insgesamt ein Zyklus von neun Fenstern entstanden ist. Seit der Innenrenovierung und dem Einbau der neuen Kirchenfenster ist die Kirche ein heller, offener und künstlerisch gestalteter Raum, der zu eigenen Erkundungen einlädt.
Die Peterskirche ist heute die Universitätskirche Heidelbergs. Zu ihr gehört keine Wohnortgemeinde, sondern es werden hier an den Sonn- und Feiertagen Universitätsgottesdienste gefeiert, die sich vor allem, aber nicht ausschließlich an die Mitglieder der Universität richten und in denen die Lehrenden der Theologischen Fakultät und der Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) regelmäßig predigen. Neben weiteren Gottesdiensten (lutherische Werktagsmesse, Seminargottesdienste, alternative Abendgottesdienste) finden zahlreiche Konzerte, Vorträge, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen statt. Von April bis Oktober ist die Kirche tagsüber geöffnet und lädt ein zur Besichtigung, zum Verweilen, zum Gebet.
(Prof. Dr. Helmut Schwier)




