Die Notburgakirche in Hochhausen
Erinnerung an die Legende der Heiligen Notburga von Hochhausen
Die Notburgakirche wacht über den östlichen Ortseingang des Ortsteils Hochhausen im Neckartal. Sie ist umgeben vom alten evangelischen Friedhof, der noch bis in dieses Jahrtausend genutzt wurde. Bereits im Jahr 950 kam es zur ersten Erwähnung einer Basilika an dieser Stelle. Um das Jahr 1300 wurde der steinerne Westturm errichtet und um 1360 schließlich das Langhaus mit dem nach Osten ausgerichteten Chor. Die Notburgakirche erinnert heute an die Legende der Heiligen Notburga von Hochhausen.
Das Innere der Kirche
Der Weg in die Kirche führt uns im Vorraum an einem Gedenkfenster für die Verstorbenen vorbei. An dieser Stelle standen früher die Särge bei der Beisetzung auf dem angrenzenden Friedhof. Das Fenster mit der Grablege erinnert uns an den Auferstandenen, der über allem Leben thront. Er lädt uns mit beiden Armen ein, in den Kirchenraum einzutreten.
Der Kirchenraum strahlt Geborgenheit und Tiefe aus.
Der Schritt verlangsamt sich, der Blick wandert umher.
Die Kirche strahlt die Atmosphäre des Mittelalters aus.
Man spürt die lange und reiche Geschichte dieses Ortes.
Hier kann ich sein, hier bin ich angenommen.
Der Altar
Im Mittelpunkt des Altarraums thront ein gotischer Flügelaltar eines unbekannten Meisters. Zur Linken sind Petrus und Maria abgebildet, zur Rechten Paulus und Sebastian. Im Zentrum des Altars sehen wir die Kreuzabnahme Jesu: das leere Kreuz, zu dessen Füßen der Leichnam Jesu, daneben die trauernden Frauen und im Hintergrund schon ein golden angedeutetes Osterleuchten, das über dem dritten Tage stehen soll, dem Ostersonntag.
Der Altar ist der Ort der Gastfreundschaft Gottes und seiner Gegenwart in Brot und Wein beim Abendmahl. Hier versammelt sich die Gemeinde um zu sehen und zu schmecken wie freundlich Gott ist.
Der verlorene Sohn
Links neben dem Altarraum sticht ein modernes Kunstwerk ins Auge.
Das beeindruckende Wandrelief wurde 1982 von Juergen Goertz geschaffen. Es bildet bewusst einen spannenden Kontrast zur sonst mittelalterlichen Kirche. Der traurig-abwesende Blick der kauernden Gestalt führt uns hinein in das Gleichnis des Verlorenen Sohnes aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15:
Ein Vater hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn ließ sich das Erbe auszahlen und zog in die Fremde. Dort verprasste er das Erbe. Schließlich musste er sich von dem ernähren, was die Schweine bekamen. Er gilt als der verlorene Sohn. Er sah er ein, dass er gescheitert war und kehrte zurück zum Vater. Dieser ließ ihn aber nicht als Knecht arbeiten, sondern vergab ihm, freute sich über seine Rückkehr, küsste ihn und veranstaltete ein Fest für ihn. Doch der ältere Bruder, der immer beim Vater geblieben war, war missgünstig gegen seinen Bruder und kann ihm noch nicht vergeben. Aus Schweinefraß und Dreck findet der Sohn also zurück zu seiner Familie. Der Vater nimmt ihn auf, der Bruder lehnt ihn ab. Wer ist der Verlorene Sohn? Es muss nicht automatisch derjenige sein, der in seinem Leben das Unheil überwindet. Es konnte ebenso gut derjenige sein, der nicht vergeben kann.
Dieses Gleichnis Jesu ist vielschichtig, aber es weist daraufhin, dass jeder immer zu Gott dem Vater zurückkommen kann und dort in Freuden aufgenommen wird. Und es kritisiert diejenigen, die von sich meinen, immer im Recht zu sein und zu Gott zu gehören: Sie sollten sich nicht über die anderen erheben.
Dieses moderne Relief fasst das Gleichnis auf wundervolle Weise zusammen.
Die Kreuzigungsgruppe
Die schlichte, einfache Kreuzigungsgruppe stammt aus der Hand des Heilbronner Bildhauers Hans Seyfer (15. oder 16. Jahrhundert). Sie zeigt uns den gekreuzigten Jesus, begleitet von zwei Personen: wohl Maria wendet das Gesicht betend ab; die zweite Person, eventuell Johannes, scheint über das Leid des Heilands hinweg in den geöffneten Himmel zu sehen. Hier wird die Auferstehung angedeutet.
Die Kreuzigungsgruppe wurde 1977 gestohlen und blieb für viele Jahre auf dem Dachboden eines Sammlers. Dort wurde sie von den Erben entdeckt und bei einer Auktion angeboten. Der mittlerweile verrentete Polizeibeamte entdeckte die Gruppe und sorgte für eine Rückführung. Nachdem die Kirchengemeinde die Versicherungssumme zurückerstattet hat, konnte die Kreuzigungsgruppe 2003 wieder in unserer schönen Notburgakirche platziert werden.
Die Notburgaplastik
Der Legende nach soll die Notburgakirche über dem Grab der Heiligen Notburga erbaut worden sein. Notburga hat bei ihrer Flucht vor einer heidnischen Heirat ihren Arm verloren. Eine Schlange pflegte sie in einer Höhle am Neckar bei Hochhausen gesund. Notburga wurde zu einer weisen Frau, die vielen Menschen aus der Umgebung Orientierung im Glauben bot. Legenden dieser Art sind im Mittelalter vielfältig und betonen die Glaubenstreue und oft auch die Keuschheit der Hauptpersonen. Hier sollte bspw. gezeigt werden, dass niemand gegen seine Überzeugung handeln sollte, auch nicht heiraten.
Die Wandmalerei
Die gesamte linke Wand des Kirchenschiffs ist mit einer Bildergeschichte der Notburga-Legende gestaltet: Flucht vor der erzwungenen heidnischen Heirat, Versorgung durch den weisen Hirsch und die Schlange, das Leben als Weise Frau in der Notburgahöhle am Neckar sowie die Grablege unter der Treppe zur Empore als Gründung der Notburgakirche. Durch einen Wasserschaden wurde die Wandmalerei in Mitleidenschaft gezogen, an der Finanzierung der Aufarbeitung arbeiten wir derzeit. Ihre Spende dazu ist sehr willkommen, ebenso können Sie Mitglied im Förderverein der Notburgakirche werden. Handzettel dazu liegen aus.
Die Glasfenster
Das ausgewählte Glasfenster aus dem Jahre 1496 zeigt die Kreuzigung Jesu Christi, begleitet von Maria und Johannes. Mehrere solcher Fenster wurden von den Gebrüdern Ludwig und Bartholomäus von Hoeneck gestiftet.
Sind Sie an einem kleinen Rätsel interessiert? Finden Sie die ursprünglichen Namensgeber der Kirche: Petrus und Paulus! Sie sind ähnlich gestaltet und hinter dem Altar zu finden.
Zum Abschied aus der Kirche
Diese Kirche dient dem Gottesdienst. Hier hören wir Gottes Wort, hier feiern wir das Abendmahl. Hier erleben wir die Gemeinschaft untereinander und mit Gott.
Durch Brot und Wein hindurch richten wir den Blick von den besonderen Momenten des Gottesdienstes auf die vielen Werktage, die hinter der Kirchentür liegen. Auch in den Werktagen geht Gott mit uns. Im Hinausgehen nehmen wir die Orgel auf der Empore wahr, das Prospekt stammt von der ehemaligen Bettex-Orgel (von 1926), die Mechanik der Orgel wurde 1954 völlig neu erstellt.
Vielleicht mögen Sie sich in der Kirche noch einen Ort suchen, der Ihr persönlicher Ort werden könnte. Setzen Sie sich noch etwas hin und genießen Sie diesen Ort der Ruhe und Stille mit seiner langen Tradition. Zum Abschied gehen wir durch diese Tür und durch die vielen Türen unseres Lebens unter dem Segen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!









