Die Lutherkirche in Baden-Baden

Mit großer Luther-Eiche auf dem Vorplatz

  
Ein wenig trutzig wirkt sie schon die Evangelische Lutherkirche in Baden-Baden Lichtental. 1907 erbaut, wie eine rechte Luther-Kirche nach dem Motto; „Ein feste Burg ist unser Gott“ – aber Sie werden sehen, ihr Inneres birgt filigrane Überraschungen. Zum etwas mächtigen Erscheinungsbild passt auch die große Luther-Eiche, die den Vorplatz der Kirche überspannt, und Schatten bietet, wenn es heiß ist. In der Kirche dann finden sie auch noch eine Menge Blattwerk.

Und ein kleines Detail: Haben Sie den Kirchturmhahn entdeckt? Neben den Türmen findet er sich stilisiert als Wasserspeier und Stiefelabtreter vor den Portalen rund um die Kirche. Da haben’s die Erbauer mit der Erinnerung an den Hahnenschrei, der mahnen soll, Gott nicht zu leugnen, etwas zu gut gemeint.
 
Wenn Sie nachher noch etwas Zeit haben, dann gehen Sie doch auch noch kurz rechts um die Kirche herum – der Anblick lohnt sich auch von hinten!
 
 

An der Eingangstür

Bevor Sie gleich ganz in die Kirche eintreten, nehmen Sie sich – wenn Sie mögen – einen Augenblick Zeit für die Stimmung, die Atmosphäre der Lutherkirche. Sie sehen, die Kirche ist in Blau- und Rottönen gehalten, in irdenen Farben. Da verbindet sich etwas: In der Farbsymbolik findet das Blau des Himmels zum Rotbraun der Erde.
 
Davon spricht die Kirche: Gott ist da, mitten in unserer Zeit, unserer Welt. Zugleich bietet die Lutherkirche, indem das Licht eher gedämpft durch die Fenster kommt, nicht grell und aufdringlich, einen Ort der Einkehr – mitten in Zeit und Welt eine Einladung, zur Ruhe zu kommen, stille zu werden.
 

Unter der Empore, Mittelbogen

Sie stehen unter dem mittleren Bogen der Empore: Hier erschließt sich die Grundidee, die der junge Architekt Martin Elsässer zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Kirche gab.

Er griff ein ganz traditionelles Bild von der Kirche auf. Schauen Sie sich um: Etwa auf halber Höhe verläuft an den Wänden und über dem Chorraum ein rotes Band. Das ist die Reling.

Die Säulen, auf denen die Wände und die Empore ruhen, haben im Übergang von Stein zu Farbe ein Wellenmuster. Die Blau- und Silbertöne der Wände verstärken den Eindruck noch: Wir sind am Wasser, im Meer!
Statt der gewohnten Kirchenfenster finden Sie in der Lutherkirche an den Wänden ovale Bullaugen.

Vorne sehen Sie, dass sich an den langgestreckten Kirchenraum ein halbrunder Chorraum anschließt, mit dem Altar in der Mitte und der Kanzel zur Linken – das ist der Bug.

Und drehen Sie sich einmal kurz um: An der Wand hinter Ihnen spielen Fische.

Der Grundgedanke ist: die Lutherkirche als Schiff. Noch eindrücklicher wird das abends, wenn sich am Deckengewölbe dank des Schattenspiels der Lampen Wolken abzeichnen und wenn der Sternenhimmel im Chorraum aufstrahlt.

Durch Tag und Nacht, durch Zeit und Welt im Kirchenschiff geborgen darf sich der Besucher, die Besucherin der Lutherkirche fühlen. Martin Elsässer griff auf die Geschichte von der Sturmstillung, wie sie im Markusevangelium (im 4. Kapitel) erzählt wird, zurück: Ist Jesus dabei, dann kommt das Schiff gut durch den Sturm.
 

Im Mittelgang, auf halbem Weg zum Altar

Wenn Sie etwa in der Mitte des Mittelgangs stehen, dann wenden Sie Ihren Blick doch zuerst zurück.

Die Empore erhebt sich im Heck des Kirchenschiffes, wie der hintere Aufbau auf alten, spanische Karavellen oder eine Hansekogge. Sie ist mit drei sogenannten „Grisaillen“ – wegen der grauen Farbe – des Malers Eduard Pfennig geschmückt.

Die Grisaillen erzählen im Jugendstil Biblisches von der Gefährdung und von der Passion Jesu.

Die Bildergeschichte beginnt rechts mit dem Kindermord von Bethlehem und der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.

In der Mitte stehen die drei Kreuze von Golgatha, flankiert von Trauernden.

Links zieht Jesus in Jerusalem ein, argwöhnisch beobachtet von den Priestern und Schriftgelehrten. Palmwedel, Symbol des ewigen Lebens, und der Esel, Symbol der Gottessohnschaft Jesu, verbinden die rechte und die linke Szene.

Rechts neben den Kreuzen im mittleren Bild steht übrigens Martin Luther, nach dem die Kirche heißt.
 

Vor den Altarstufen

Bitte wenden Sie den Blick in den Kirchenraum, zu den Bildern in den oberen Wandhälften der Kirche.

Über der Tür zur Empore wird im Bild von Eduard Pfennig eine Auferweckungsgeschichte erzählt: die Geschichte von der Tochter des Jairus.

Im Markusevangelium, im 5. Kapitel wird überliefert, dass der Hauptmann Jairus Jesus darum bittet, seine schwerkranke Tochter zu heilen. Der wird aufgehalten, kommt zu spät ans Krankenbett des Mädchens – sie ist inzwischen gestorben. Doch Gottes Liebe ist mächtiger als der Tod, Jesus weckt das Mädchen wieder auf.

Links und rechts an den Wänden finden Sie in großen Wandgemälden die sogenannten „Sechs Werke der Barmherzigkeit“, von der Künstlerin Käthe Schaller-Härlin im Jahr 1910 ins Bild gesetzt. Von links nach rechts sind es diese „guten Werke“: Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Durstigen zu trinken geben, den Fremden aufnehmen, Nackte kleiden und Hungrige speisen. Mit den Bildern wird Jesu Ermutigung zur guten Tag aufgegriffen: „Was ihr einem der Geringsten unter meinen Geschwistern getan habt, das habt ihr mir getan.“ So heißt es im Matthäusevangelium, im 25. Kapitel – eine Ermutigung, die heute gewiss noch so aktuell ist wie vor 100 Jahren, als die Bilder entstanden.
 

Vor dem Altar

Zuallererst: Bitte schauen Sie nach oben, genießen Sie es, unter dem Sternenhimmel der Lutherkirche zu stehen.

Er markiert gleichsam die Nachtseite des Kirchenschiffes – und erinnert an eine der allerersten Zusagen Gottes an die Menschen: die an Abraham nämlich, dem eine Nachkommenschaft so zahlreich wie die Sterne verheißen wird: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ – im 1. Buch Mose wird davon erzählt (Kapitel 12, Vers 2). Und so ist der Altar eben auch der Ort, von dem aus die gottesdienstliche Gemeinde gesegnet wird.

Ist Ihnen am Altar etwas aufgefallen? Er ist hohl! Und er symbolisiert damit ein leeres Grab: Jesus ist auferstanden! In der Lutherkirche ist also zu jeder Zeit Ostern.

Genau durch die Mitte der Kirche zieht sich eine bemerkenswerte, symbolische Linie: Von der Kreuzigungsszene auf dem Kirchenfenster im Chorraum über das Kreuz auf dem „Auferstehungsaltar“, über das Kreuz Jesu in der Mitte der Grisaillen an der Empore bis zum Auferweckungsbild von Eduard Pfennig. Eine symbolische Linie, die sagt: Gott ist nahe im menschlichen Schmerz und Leid, aber er macht den Weg frei zu neuer Lebendigkeit. Karfreitag und Ostern gehören zusammen, der liebevolle, menschliche Gott ruft uns ins Leben.
 

Vor der Kanzel

Auf der Kanzel, rechter Hand, hält ein Engel ein Tuch, wohl eher ein Spruchband, in den Händen.

Diese Skulptur von Karl Albiker erinnert an die ganz grundlegende Botschaft Gottes an die Menschen, die von der Kanzel her laut werden soll: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. … Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ So vermeldet es der Engel in der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Also: In der Lutherkirche ist auch immer Weihnachten.

Am Fuß der Kanzel finden Sie mit großen Buchstaben ein, zwei Worte gelegt, daneben steht ein Korb mit Buchstaben. Dies ist eins der Angebote der Lutherkirche als „Offene Kirche“. Hier können Sie „Ihr Wort des Tages“ legen oder mit Worten, die schon ausgelegt sind, in den Dialog treten. Der Dialog, das Gespräch mit Menschen in der Kirche und um Kirche herum – besonders mit Menschen, die sich selbst nicht als besonders kirchennah empfinden – ist eines der großen Anliegen der Luthergemeinde mit ihrem gemeindlichen, gottesdienstlichen und kulturellen Angebot.
 

In der Taufkapelle

Die Taufkapelle, in der Sie jetzt stehen oder sitzen – nehmen Sie ruhig auf einer der Seitenbänke Platz –, wird heute nur noch selten für Taufen genutzt. Aber sie ist unser Raum der Stille. Die Taufe ist ein Zeichen, dass wir bei Gott geborgen sind! Das macht gelassen.

An den Wänden der Taufkapelle sehen Sie drei hölzerne, bunte Sonnen, die ursprünglich aus dem Eingangsbereich eines Müttergenesungsheimes in Baden-Baden stammen. Die uns leider unbekannte Kunsthandwerkerin, die sie schuf, wollte den erholungsbedürftigen Müttern etwas Licht mit in die Kur geben. Vor Jahren hat die Luthergemeinde diese Sonnen geschenkt bekommen und sie nun in der Taufkapelle aufgehängt. Wie mit einer Taufkerze ist damit gesagt: „Gott ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ So lautet eine vertrauensvolle, rhetorische Frage aus dem 27. Psalm.
Auf dem Taufstein übrigens befindet sich ein wechselndes, künstlerisches Arrangement, das Grundthemen des christlichen Glaubens aufgreift.
 

Unter der Orgelempore

Unter der Orgelempore stehen Sie vor einem früheren Altarkreuz der Lutherkirche. Es ist ersetzt worden durch ein kleineres Altarkreuz, das die Schwestern der benachbarten Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt haben. Die katholische Abtei und die evangelische Luthergemeinde verbindet eine enge, ökumenische Freundschaft. Zudem steht die Lutherkirche selbst auf ehemaligem Klostergelände.

Wenn Sie mögen, zünden Sie ein kleines Teelicht am Kerzenbaum an – und lassen so ein Gebet, ein Anliegen, einen Gedanken in der Kirche zurück.
 
 
 
 

Ihr Weg zur Kirche

 
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