Fünf Millionen Euro soll Bundesgesundheitsminister Jens Spahn außerplanmäßig aus dem Bundeshaushalt erhalten: für eine Studie zu den Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen. „Das ist ein hoher Preis für den Kompromiss zum §219a“, sagt Susanne Kahl-Passoth. Die Evangelischen Frauen in Deutschland, so deren Vorsitzende weiter, „sehen in dieser Studie keinen Sinn. Sie stellt – im Gegenteil - einen Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht von Frauen dar.“
Mit der Studie werde der Eindruck erweckt, dass Frauen leichtfertig mit einer Entscheidung für einen Abbruch umgehen und sich nicht genügend Gedanken über eventuelle Folgen machen würden. „Tatsächlich aber ist ein Schwangerschaftsabbruch für jede Frau eine sehr schwierige Entscheidung, die durch Beratungen begleitet wird.“
Eine auf einen Abbruch folgende Stigmatisierung oder eine durch einen Partner erzwungene Abtreibung können psychische Folgen haben. „Das alles ist ausreichend erforscht und belegt“, betont Kahl-Passoth. Der Verdacht, dass hier versucht werden solle, durch die Ergebnisse der Studie den Kompromiss zur Regelung des Paragrafen 218 erneut in Frage zu stellen, sei nicht von der Hand zu weisen. „Fünf Millionen Euro wären sinnvoller ausgegeben für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, für Kinderbetreuung oder für die Unterstützung alleinerziehender oder minderjähriger Mütter.“
Hintergrund
Susanne Kahl-Passoth ist Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland e.V. (EFiD). Die Theologin i.R. war elf Jahre Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz (2002-2013), seit 2014 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates.
Angelika Weigt-Blätgen ist stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland e.V. (EFiD). Die Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen ist Mitglied der Synoden der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Theologin ist auch Vorsitzende der Konferenz für Diakonie und Entwicklung und Mitglied des Aufsichtsrates des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.
Der Verband Evangelische Frauen in Deutschland e.V. (EFiD) mit Sitz in Hannover ist als Dachverband die Stimme evangelischer Frauen in Kirche und Gesellschaft. Die EFiD fördert und unterstützt die Arbeit von und mit Frauen in kirchlichen Bezügen und ermutigt Frauen, in der heutigen Welt als Christinnen zu leben. Mit frauenspezifischer Kompetenz und Sicht setzt der Verband theologische, spirituelle, sozialdiakonische und politische Impulse. Zur EFiD gehören 39 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 3 Millionen Mitgliedern.
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