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ANTISEMITISMUS IM ALLTAG


Klaus Müller: Die KLAK, die Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden, ist ein Netzwerk für die aktiven Arbeits- und Gesprächskreise im christlich-jüdischen Dialog. Jede Landeskirche kann bis zu drei Personen in die KLAK entsenden. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zum Austausch.
Müller: Die Konferenz veranstaltet jährlich eine Tagung in Berlin. Im Januar 2017 ging es zum Beispiel um das Thema „Christliche Schriftauslegung im Angesicht des Judentums“. Das klingt programmatisch und ist es auch: Unser christliches Verständnis der Bibel verändert sich, wenn wir versuchen, jüdische Perspektiven mit einzubeziehen. Es ist so etwas wie eine Hauptaufgabe der KLAK, das Kirche- und Christsein nicht ohne die Wahrnehmung des Judentums zu buchstabieren.
Beim Austausch der Aktiven entstehen Gemeinschaftsprojekte, wie zum Beispiel Arbeitshilfen zum Israelsonntag, zu den Gedenktagen, Bausteine zu Glaubenskursen und vieles mehr. Aus den Regionen gelangen die Ideen in die KLAK, und von dort gehen die Impulse wieder in die einzelnen Dialoggruppen in praktisch allen unseren Landeskirchen. Das ist im besten Sinne „Graswurzel“-Arbeit.
Müller: Die KLAK ist „eng am Ohr“ der Landeskirchen und auch der EKD. In den letzten Jahren sind es immer wieder die Impulse für eine Erneuerung des Gottesdienstes gewesen – im Sinne von mehr „Israel-Sensibilität“ im kirchlichen Leben. Jüngst hat dann vor allem der KLAK-Entwurf für eine erneuerte Predigttextordnung einige Wirkung entfaltet. Es zeichnet sich die Entscheidung ab, dass in Zukunft deutlich mehr Texte aus der Hebräischen Bibel gepredigt werden. Wir werden den Reichtum biblischer Traditionen noch mehr ausschöpfen können als früher.
Müller: Die neuen Aufgaben sind auch die alten. Die Beziehung von Kirche und Judentum, von Christen und Christinnen und Jüdinnen und Juden, ist eine lebendige Beziehung – von Anfang an und immer wieder neu – und diese Beziehung ist in jeder Zeit wieder neu zu gestalten. Die Grundaufgabe, eine nicht-antijüdische Theologie im Angesicht des Judentums zu entwerfen und auch isn Leben zu ziehen, ist uns seit 2000 Jahren gestellt und ist heute und morgen genauso aktuell.

Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und damit ein nationaler Gedenktag, an welchem man in Deutschland, der EU und der Welt der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedenkt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden.
Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, der ab November 1994 mehrfach dafür plädierte, einen nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus einzuführen, und durch die wachsende politische Akzeptanz im Zuge nationaler und internationaler Gedenkveranstaltungen anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes in Europa einigten sich die Bundestagsfraktionen im Juni 1995 auf den 27. Januar als nationalen Gedenktag.
Der Gedenktag selbst wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes.
In seiner Proklamation führte Herzog aus:
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“
In der Bundesrepublik wird an diesem Tag an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung gesetzt. In vielen Veranstaltungen wie Lesungen, Theateraufführungen oder Gottesdiensten wird bundesweit die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten.
Zum 65. Jahrestag der Befreiung, im Jahr 2010, sprach erstmals der israelische Staatspräsident Schimon Peres zum Deutschen Bundestag.
Der 27. Januar ist kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft, eine Zukunft, die nach wie vor gefährdet ist durch Menschenverachtung und Ausgrenzungstendenzen.
Weitere Gottesdienst- und Predigthilfen sind auch hier abrufbar:
„Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“

