Themen / Nachrichten

 

Davidstern und Kerze
Beten für Israel und Palästina
Liturgisches Material für den Jahrestag am 7. Oktober 2024 finden Sie hier.
 
 

Mit dem Angriff auf die Juden, ihre Synagogen, ihre heiligen Schriften und ihr wirtschaftliches und soziales Leben am 9. November 1938 legte das Naziregime das Ziel offen, mit dem jüdischen Volk auch die Erinnerung und den Glauben an den Gott Israels auszulöschen...
 

ANTISEMITISMUS IM ALLTAG

Die kürzlich veröffentlichte Internetseite www.stopantisemitismus.de soll Zeugen und Betroffene antisemitischer Vorfälle ansprechen und eine Möglichkeit bieten, um sich zu informieren. „Erkennen Sie Antisemitismus im Alltag?“ In lila Buchstaben auf mintgrünem Grund konfrontiert diese Frage den Besucher beim Öffnen der Website. Um Anfeindungen gegenüber Juden zu erkennen, sind auf der Website momentan 35 Zitate aus dem deutschen Alltag zu lesen, die offen oder versteckt gegen Juden sind. Experten hatten diese ausgewählt. Die Internetseite gibt Hilfen, wie Betroffene oder Zeugen besser auf Anfeindungen reagieren können. Außerdem bietet die Plattform Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Hilfsangebote durch Beratungsstellen. 
Um dieses Projekt auf den Weg zu bringen, hatte sich im Mai 2018 ein breites Bündnis von Organisationen zusammengeschlossen, darunter Pädagogen, Wissenschaftler und Vertreter des Zentralrats der Juden und des Zentralrats der Muslime.
Monika Schwarz-Friesel, Kognitionswissenschaftlerin an der Technischen Universität Berlin, sagte, dass Antisemitismus nicht nur ein Phänomen an rechten Rändern sei. Er komme in allen Gesellschaftsschichten und politischen Richtungen vor. Das zeigen auch die Zitate auf der Internetseite, die von Schülern und Erwachsenen mit verschiedenen Bildungsniveaus und aus allen gesellschaftlichen Schichten geäußert wurden.
„Es ist eine nie endende Aufgabe, etwas gegen Antisemitismus zu tun“, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Im Kampf gegen Judenfeindlichkeit sei die gesamte Zivilgesellschaft gefragt. Gerade in Schulen trete Antisemitismus relativ häufig in unüberlegter und unreflektierter Weise auf, sagte Dervis Hizarci, der Vorsitzende der Kreuzberger Initiative, die die Website betreuen wird. Es gebe kein einheitliches Reaktionsschema, Lehrer seien oft überfordert. Die Initiative ging von der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Kooperation mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (Kiga) aus.
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Verschleppung nach Gurs
Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden am frühen Morgen über 6.500 badische, pfälzische und saarländische Juden von den Nazis festgenommen, in Züge verfrachtet und in das Internierungslager Gurs am Fuße der südfranzösischen Pyrenäen verschleppt.

Zeichnung Lager Gurs
 
 
Das Mahnmal Neckarzimmern: Zu Erinnerung an die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportierten badischen Jüdinnen und Juden.
 

Gengenbacher Hermann-Maas-Medaille an "Meet a Jew" verliehen
Gengenbach (epd). Das Projekt „Meet a Jew“ hat die mit 2.500 Euro dotierte Hermann-Maas-Medaille erhalten. Die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart überreichte die Auszeichnung am Donnerstag in Gengenbach. Das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden in Deutschland setze mit der Organisation von Begegnungen zwischen Juden und Nicht-Juden ein Kernanliegen des Pioniers der ökumenischen Bewegung um, sagte Springhart in ihrer Laudatio.
Der Preis erinnert an den evangelischen Theologen Hermann Maas (1877-1970) und wird seit 1994 alle vier Jahre gemeinsam von der Landeskirche, der Heidelberger Hermann-Maas-Stiftung und der evangelischen Kirchengemeinde Gengenbach verliehen. Maas wurde nach 1933 von den Nationalsozialisten wegen seines Einsatzes für die Versöhnung mit den Juden mit Berufsverboten belegt und verhalf unter Einsatz seines Lebens mehr als 1.700 Menschen zur Emigration.
 

in Gedenken an die Verbundenheit von Christen und Juden
Der Israelsonntag erinnert seit dem 16. Jahrhundert an den Gedenktag der Zerstörungen des Jerusalemer Tempels. Wir feiern ihn am 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest.
11 Wochen nach Pfingsten, dem Geburtsfest der Kirche, denken die christlichen Gemeinden an Israel und den bleibenden Bund Gottes mit seinem Volk, an die Verbundenheit von Christen und Juden, nicht zuletzt auch an die komplexe, vielfach mit Schuld beladene Geschichte der Kirchen im Umgang mit den jüdischen Gemeinden und dem Judentum.
Freilich wurde er in seiner Geschichte sehr unterschiedlich begangen: Während in der Vergangenheit die Überlegenheit des Christentums demonstriert wurde, stehen heute die Trauer über das Unrecht, das den Juden angetan wurde, sowie die heutigen guten Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. 
 

Fragen an Prof. Dr. Klaus Müller
Frage: Was ist die KLAK?
Klaus Müller: Die KLAK, die Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden, ist ein Netzwerk für die aktiven Arbeits- und Gesprächskreise im christlich-jüdischen Dialog. Jede Landeskirche kann bis zu drei Personen in die KLAK entsenden. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zum Austausch.
Womit beschäftigt sich die KLAK?
Müller: Die Konferenz veranstaltet jährlich eine Tagung in Berlin. Im Januar 2017 ging es zum Beispiel um das Thema „Christliche Schriftauslegung im Angesicht des Judentums“. Das klingt programmatisch und ist es auch: Unser christliches Verständnis der Bibel verändert sich, wenn wir versuchen,  jüdische Perspektiven mit einzubeziehen. Es ist so etwas wie eine Hauptaufgabe der KLAK, das Kirche- und Christsein nicht ohne die Wahrnehmung des Judentums zu buchstabieren.
Beim Austausch der Aktiven entstehen Gemeinschaftsprojekte, wie zum Beispiel Arbeitshilfen zum Israelsonntag, zu den Gedenktagen, Bausteine zu Glaubenskursen und vieles mehr. Aus den Regionen gelangen die Ideen in die KLAK, und von dort gehen die Impulse wieder in die einzelnen Dialoggruppen in praktisch allen unseren Landeskirchen. Das ist im besten Sinne „Graswurzel“-Arbeit.
Was konnte die KLAK in den vergangenen Jahren bewirken?
Müller: Die KLAK ist „eng am Ohr“ der Landeskirchen und auch der EKD. In den letzten Jahren sind es immer wieder die Impulse für eine Erneuerung des Gottesdienstes gewesen – im Sinne von mehr „Israel-Sensibilität“ im kirchlichen Leben. Jüngst hat dann vor allem der KLAK-Entwurf für eine erneuerte Predigttextordnung einige Wirkung entfaltet. Es zeichnet sich die Entscheidung ab, dass in Zukunft deutlich mehr Texte aus der Hebräischen Bibel gepredigt werden. Wir werden den Reichtum biblischer Traditionen noch mehr ausschöpfen können als früher.
Die landeskirchlichen Erklärungen und Positionierungen zum christlich-jüdischen Verhältnis sind ohne die Impulse der Arbeitskreise nicht denkbar. Auch bei uns in Baden hat der Studienkreis Kirche und Israel der synodalen Entscheidung von 1984 und dann auch der Novellierung unserer Grundordnung entscheidend vorgearbeitet.
Im Blick auf das Jubiläumsjahr 2017 hat die KLAK sich in Form eines „Zwischenrufs“, denke ich, deutlich zu Wort gemeldet. Die Erneuerung der reformatorischen Theologie und Kirche wird nur in der Haltung einer Offenheit für Dialog gelingen können. Wir haben im „Zwischenruf“ formuliert: „Die Kirche der Umkehr ist eine Kirche in bleibender Bezogenheit auf das erst- und bleibend erwählte Volk Gottes. Reformatorische Kirche ist darin semper reformanda (ständig der Reformation bedürftig), dass sie sich immer wieder auf den Weg zu einer nicht antijudaistischen reformatorischen Theologie … rufen lässt.“ Ich glaube, dass solche Sätze nicht ungehört verhallt sind.
Besonders erfreulich ist, dass die Synode der EKD im vorletzten Herbst sich in diesem Sinne deutlich positioniert und den judenfeindlichen Denkmustern in Luthers Theologie eine klare Absage erteilt hat. Ich kann nur sagen: Wir haben allen Anlass, Luthers Neuentdeckung der Freiheit eines Christenmenschen zu feiern und zu würdigen – aber um Himmels willen doch nicht auf Kosten eines Zerrbildes vom Judentum!
Und über einen weiteren wichtigen Schritt der EKD-Synode sind wir in der KLAK höchst erfreut und dankbar: Die Kundgebung vom November 2016 erteilt jeder Judenmission eine eindeutige Absage. In der Tat ist dies ja der Lackmustest dafür, wie ernst ich es mit der vollen Anerkennung meines Gegenübers meine. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.
Was bleibt für die KLAK in der Zukunft zu tun?
Müller: Die neuen Aufgaben sind auch die alten. Die Beziehung von Kirche und Judentum, von Christen und Christinnen und Jüdinnen und Juden, ist eine lebendige Beziehung – von Anfang an und immer wieder neu – und diese Beziehung ist in jeder Zeit wieder neu zu gestalten. Die Grundaufgabe, eine nicht-antijüdische Theologie im Angesicht des Judentums zu entwerfen und auch isn Leben zu ziehen, ist uns seit 2000 Jahren gestellt und ist heute und morgen genauso aktuell.
Wir sind herausgefordert durch einen wachsenden Antisemitismus und Abgrenzungstendenzen in unserer Gesellschaft. Jüdinnen und Juden unter uns spüren es, dass das soziale Klima in unserem Land kälter, rauer und aggressiver wird. Die jüdischen Gemeinden unter uns brauchen klare Zeichen und Gesten unserer Freundschaft.
Die KLAK hat vor einiger Zeit den Vorschlag gemacht, dass sich christliche und jüdische Gemeinden öfter noch als bisher verabreden zu gemeinsamen Unternehmungen, Begegnungen und Festen. Wir haben in unserem „Zwischenruf“ daran erinnert, dass wir mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern in eine Weggemeinschaft gerufen sind, „bei der Fragen offengehalten, Wunden geheilt und gemeinschaftliche Hoffnungen genährt werden“. Das wird übermorgen auch noch gelten.
 
 

Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland

Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und damit ein nationaler Gedenktag, an welchem man in Deutschland, der EU und der Welt der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedenkt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden.

Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, der ab November 1994 mehrfach dafür plädierte, einen nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus einzuführen, und durch die wachsende politische Akzeptanz im Zuge nationaler und internationaler Gedenkveranstaltungen anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes in Europa einigten sich die Bundestagsfraktionen im Juni 1995 auf den 27. Januar als nationalen Gedenktag.

Der Gedenktag selbst wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes.

In seiner Proklamation führte Herzog aus:
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

In der Bundesrepublik wird an diesem Tag an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung gesetzt. In vielen Veranstaltungen wie Lesungen, Theateraufführungen oder Gottesdiensten wird bundesweit die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten.

Zum 65. Jahrestag der Befreiung, im Jahr 2010, sprach erstmals der israelische Staatspräsident Schimon Peres zum Deutschen Bundestag.

Der 27. Januar ist kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft, eine Zukunft, die nach wie vor gefährdet ist durch Menschenverachtung und Ausgrenzungstendenzen.

 
 
 

Weitere Gottesdienst- und Predigthilfen sind auch hier abrufbar:
  
„Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ 

Informationsheft der Zentrale für Politische Bildung 

Weitere Materialien zum Gedenktag
    

 

 

 
 
 
 

Die Evangelische Landeskirche in Baden will im Glauben an Jesus Christus und im Gehorsam ihm gegenüber festhalten, was sie mit der Judenheit verbindet. Sie lebt aus der Verheißung, die zuerst an Israel ergangen ist, und bezeugt Gottes bleibende Erwählung Israels. Sie beugt sich unter die Schuld der Christenheit am Leiden des jüdischen Volkes und verurteilt alle Formen der Judenfeindlichkeit (Artikel 3 der Grundordnung).
 
Mit diesen Worten formuliert die Landeskirche die Arbeits- und Geschäftsgrundlage für die christlich-jüdische Beziehungsarbeit.