
Unser Logo und unser Motto
Eine Signatur des badischen Protestantismus
Herausforderung und Kontext unseres Mottos und unseres Logos lauten: Knapp und präzise soll badischer Protestantismus be-zeichnet werden. Ein langes Jubiläumsjahr benötigt ein Leitwort. Eine zentrale Veranstaltung wird das Chorfest im Juli 2021 sein.
In der Graphik „unisono“ (hier finden Sie die Vorlagen), einem markanten Wort aus musikalischen Kontexten, kann auch das Wort „Union“ gelesen werden. So wie die musikalische Anweisung „unisono“ in die Praxis eines Orchesters oder eines Chores umgesetzt werden muss, muss auch das Wort „unisono“ übersetzt werden für eine Volkskirche, die sich irgendwie badisch-liberal versteht: Unisono bedeutet eins und doch vielstimmig zu sein. Auch außerhalb der Musik drückt der Begriff Übereinstimmung aus: „Die Betroffenen behaupten unisono, dass …“ Der Begriff hat sich – sogar international – im übertragenen Sinne in der Umgangssprache festgesetzt und wird benutzt, wenn es darum geht zu verdeutlichen, dass mehrere Personen ein und derselben Meinung sind und diese auch in gleicher Art und Weise kundtun. Der Begriff unterstreicht die Eindeutigkeit eines bestimmten Sachverhaltes und betont dessen Unumstößlichkeit.
Die Graphik, die ganz in den Farben des landeskirchlichen Farbspektrums bleibt, wählt für das Motto-Wort eine lebendig anmutende Schrift – auch der zweite und wiederholte Blick bleibt interessant, weil die Buchstaben je nach Lage innerhalb des Wortes unterschiedlich erscheinen. Durch den Anschnitt am unteren Rand wird die Dynamik betont und zugleich angedeutet, dass nicht alles da ist. Manches muss noch werden. Zwei Buchstaben sind farblich anders – während Union auch farblich uni geschrieben steht. Das „s“ gibt die Farbe und den ersten Buchstaben für das „stimmig“ vor, das „o“ die Farbe und die Symbolik für das „eins“ – das zweite „o“ ist im Gegenüber zum ersten „o“ graphisch geschlossen, nicht in der ganzen Kontur, wohl aber im Innenkreis. Es wird etwas etwas mehr zu einem guten Ende gebracht. Oder, um die Buchstaben zu variieren: SO [geht] UNION.
In die Dynamik, in das Noch-Ganzwerden der Union, in das Leben unserer Landeskirche und des badischen Protestantismus, in die Vielstimmigkeit kann man einstimmen.
Oder, um es noch mehr vom Sinn des Begriffs zu entfalten:
Der musikalische Begriff „unisono“ (italienisch: „Einklang“) bezeichnet, dass alle Beteiligte eines Klangkörpers – also Verschiedene und je auf ihre Art und in ihrer Tonlage – gemeinsam dieselbe Melodie singen bzw. spielen, auch in verschiedenen Oktaven, also nach ihren Begabungen und Möglichkeiten. Der erzielte Effekt besteht in starker Durchschlagskraft bei gleichzeitig großer Klangentfaltung. Die europäische Kunstmusik strebt hier größtmögliche Präzision und damit möglichst vollständige Verschmelzung zu einem einheitlichen Gesamtklang an. Andere Musikkulturen wie die orientalische Musik oder gewisse Formen des Jazz bevorzugen die Individualisierung der Einzelstimmen durch kleine individuelle Abweichungen voneinander (Heterophonie). Johann Sebastian Bach trug Verzierungen erst in die ausgeschriebenen Stimmen ein (und dadurch nicht überall exakt gleich) – das lässt vermuten, dass auch er an diesen Stellen nicht vollständige Präzision anstrebte. Was nur noch nach einem einzigen Prinzip ist ohne jede Ausnahme, ist langweilig, schwingt nicht.
Das Unisono erzielt auch immer wieder hymnenartige Effekte. So vielstimmig wir auch sind: Gott (gemeinsam) loben, das ist unser Amt! (EG 288,5)
Als Folge des Unisono-Spiels ergibt sich ein sehr kräftiger Klang, der insbesondere dann Verwendung findet, wenn ein musikalisches Thema deutlich herausgestellt werden soll. Eine andere Verwendungsweise ist die Hervorhebung einzelner Stellen, besonders zur Textausgestaltung. So könnte man auch die Geschichte der Kirche beschreiben: Der Regelfall ist die Mehr-, die Vielstimmigkeit, aber besondere Situationen erfordern eine hervorhebende, klarstellende, imponierende Einstimmigkeit. Vielleicht ist die Kirche oft nicht vielstimmig genug gewesen, und in manchen Situationen wird sie wohl auch die Einmütigkeit und damit dann auch die Einstimmigkeit, die nötig gewesen wäre, vermissen lassen haben. Alles zu seiner Zeit – und dann braucht es Christen, die wissen, was wann dran ist: Muss es jetzt einstimmig zusammenklingen oder muss es jetzt vielstimmig gemeinsam schwingen?!
Ist das nicht aber eher oldschool? Die europäische Neue Musik war jahrzehntelang einem polyphonen Stil verhaftet, in dem das Unisono als unangemessen empfunden wurde. Avantgarde hat hier dann Änderungen gebracht, etwa John Cage Ende der 60er Jahre. Ab den 80er Jahren verwendeten zeitgenössische Komponisten (Karlheinz Stockhausen u.a.) auch immer wieder Unisoni mit präzise notierten kleinen Abweichungen.
Im Modern Jazz ist das Unisonospiel des Themas ständige Praxis, das sich so auch klanglich deutlich von den improvisierten Passagen abhebt. Ein schönes Bild auch für das kirchliche Leben: Wo improvisieren wir als Kirche mitten im Leben und wo prägt das „eigentliche“ Thema unsere performance?
Kurzum: Unisono ist grundlegend, hat eine Tradition, ist aber im Zusammenhang mit der Mehrstimmigkeit vor allem modern! Einstimmigkeit und Vielstimmigkeit begründen und begrenzen sich gegenseitig.
Das Motto-Wort unseres landeskirchlichen Jubiläums regt an, über das Kirche-Sein nachzudenken:
Wie orchestrieren wir unser Kirche-Sein, unseren gemeinsamen Glauben, wie verteilen wir die Stimmen? Wann ist was dran? Was, also welche „Musik“ brauchen die Christen in der Kirche, aber auch die Menschen von der Kirche?
