Formen geistlichen Lebens

Sich eine Auszeit gönnen
Alte Holzbank mit Blick für den Felsrand aufs weite Meer

Keine Gelegenheit, um endlich mal wieder zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu tanken und ganz zu sich selbst zu finden?

In den Angeboten Evangelischer Spiritualität finden Sie eine Vielzahl von Veranstaltungen, die Ihnen dabei helfen können.

Von Workshop-Tagen über regelmäßige Abendtreffs, Wochenseminare oder Pilgerfahrten auf den Spuren von Franz von Assisi ist für jeden etwas dabei. Basierend auf den vier Grundformen geistlichen Lebens – Schweigen und Hören, Bibellesen, Beten sowie Gemeinschaft – erfahren die Teilnehmenden die spirituelle Seite des Glaubens. Unter Anleitung von erfahrenen geistlichen Begleiterinnen und Begleitern lernen sie, wie Fasten-Wochenenden, Meditationskurse, Exerzitien-Tage und gemeinsames Singen und Beten den eigenen Körper, Geist und Seele wieder freier atmen lassen – und wie sie den Alltag mit neuer Gelassenheit und innerer Ruhe bereichern können.

Anbei weitere Infos zu den einzelnen Formen geistlichen Lebens:

 

Exerzitien

Exerzitien sind "geistliche Übungen". Übungen, die helfen, Gott im eigenen Leben zu entdecken.
Rundes gelbes Tuch auf dunklem Untergrund. Darauf in der mitte eine Kerze und kleines Kreuz. Regenbogenfarbiges Tuch als Ring und Eglifiguren in unterschiedlichen Gebetshaltungen

Unser Alltag ist in der Regel bestimmt durch den Rhythmus von Arbeit und Erholung. Oft wirkt der Versuch, noch "etwas Geistliches" in diesen Rhythmus einzubauen, nur wie eine zusätzliche Belastung, ein weiterer Termin. Die Exerzitien können helfen, aus dieser Zwickmühle herauszukommen. Denn Exerzitien sind "geistliche Übungen". Übungen, die helfen, Gott im eigenen Leben zu entdecken.

Ziel der Exerzitien ist es:
  • Innehalten und im Beten hörbereit werden
  • Sein Leben von Gott her ordnen und neu ausrichten lassen
  • Sich auf den Weg mit Jesus Christus rufen lassen
  • Den Anregungen des Geistes Gottes nachspüren
 
Exerzitien können Menschen helfen, die ausprobieren wollen,
  • wie man mit Gott reden kann, 
  • einen festen Platz im Alltag für das Gebet  zu finden.
  • einfach einmal am Tag ihrer Seele etwas Gutes tun wollen.

Exerzitien sind 

  • Tag für Tag ein fester Punkt, um Gott im Alltag zu begegnen,
  • eine Hilfe bei dem Versuch, mit Gott ins Gespräch zu kommen,
  • eine Anregung, das eigene Verhältnis zu Gott zu klären.
 

Meditation

Meditation ist das hellwache Da-Sein in der Gegenwart Gottes.
Holszskluptur Innere Burg von Andrea Diederich

Unser Leben heute ist so schnelllebig und ruhelos geworden, dass wir kaum noch Zeit für das Wesentliche in unserem Leben finden.

Meditieren heißt, frei werden von der Unruhe und der Hektik des Tages, der Geschäftigkeit und der Umtriebsamkeit, – Meditieren heißt, innehalten und sich Zeit nehmen für Stille und Einkehr.

Meditation ist das hellwache Da-Sein in der Gegenwart Gottes. Meditation ist nicht "nachdenken" über einen Text oder ein Bild  wie bei einer Besinnung und Betrachtung, sondern heißt frei werden von allen Phantasien und Vorstellungen, heißt offen zu sein für das Wirken Gottes.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) schrieb einmal: Es liegt im Stillsein eine wunderbare Macht der Klärung, der Reinigung, der Sammlung auf das Wesentliche.

Um für sich zu Hause zu meditieren, ist es sinnvoll, sich täglich eine feste Zeit einzurichten, in der man sich zurückziehen kann, eine Zeit nur für sich allein. Egal, ob am Morgen oder am Abend, wichtig ist, sich diese Zeit (15 - 20 Min.) im Tagesablauf frei zu halten.

Hilfreich ist es:
  • einen Rhythmus zu finden, der hilft die Zeit zu strukturieren und bewusster zu leben.
  • Absprachen zu treffen, mit sich selbst und den Menschen, mit denen man zusammenlebt
  • einen Ort in der eigenen Umgebung dafür zu haben, an dem man sich wohlfühlt und wo man möglichst ungestört ist
  • einen Platz liebevoll einzurichten, der zum Ruhigwerden und zur Sammlung einlädt.

Evtl. können ein Bild, eine Ikone, eine Kerze, ein Kreuz, ein Blume, eine Bibel, oder auch nur eine leere Wand helfen, sich selbst zu ordnen und innerlich zu sammeln.

 

Herzensgebet

"Gott ist gegenwärtig."
Holzskluptur offenherzig von Andrea Diederich

Wenn wir dem zustimmen – welche Folgen hat es für uns?
Wie leben wir in und mit der Gegenwart Gottes?

Das Herzensgebet ist eine mögliche Antwort, ein Ja auf das Geheimnis von Gottes Gegenwärtigsein.
Da Gott der Eine ist, der alles umfasst, ist ein Leben in der Gegenwart Gottes immer auch ein Ganzheitliches, das alle Bereiche des menschlichen Da – Seins in den Blick nimmt und zu integrieren bereit ist. Herz steht für die personale Wesensmitte des Menschen, im Herzen wohnt Christus durch den Glauben (Eph. 2,14).


Unser Herz sorgt dafür, dass das belebende Blut bis an die Peripherie des Körpers kommt. Im Herzensgebet kann erfahrbar werden, wie die liebevolle und belebende Gegenwart Gottes das menschliche Wesen durchpulst.


Mit dem Herzensgebet fanden die Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte der Kirche eine Antwort auf die Frage, was es heißt, zu beten ohne Unterlass (1. Thess.5,17).

Zum Herzensgebet gehört ein Gebetswort, das im Rhythmus von Einatmen und Ausatmen bewegt wird, sei es laut oder leise gesprochen oder im Inneren „empfunden“.

Man spricht vom immerwährenden Herzensgebet. Immerwährend ist neben dem Herzschlag der Atem. Wie Einatem und Ausatem sich in ständigem Fluss befinden, so kann auch das Herzensgebet zum Teil des Lebens werden.


Die Gebetsworte sind etwas sehr Persönliches, etwas Kostbares. Es ist das Wort, in dem Gott für einen Menschen gegenwärtig wird. Ein klassisches Gebetswort ist: „Herr, Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ (vgl. Luk 17,13) Viele Menschen beten mit dem Satz: „Du in mir, ich in Dir.“ (vgl. Joh. 17,21).

Das Herzensgebet bedarf der Übung. Es ist gut, sich darin von erfahrenen Menschen anleiten und begleiten zu lassen.

 

Pilgerwandern

Pilgern - Beten mit den Füßen

Sie nehmen den Pilgerstab in die Hand, packen den Rucksack und brechen auf. Für eine Strecke, die ein Auto in einer halben Stunde zurücklegt, brauchen sie einen ganzen Tag. Pilger entdecken die Langsamkeit wieder und kehren verändert in den Alltag zurück. Pilgern war immer der Beginn eines großen Abenteuers mit ungewissem Ausgang, aber zumindest mit einem klaren Ziel: das Heil für die Seele zu finden.


Pilgern hat Menschen zu allen Zeiten fasziniert und verändert. Es verhilft vielen neu oder ganz anders zum Glauben an Gott; es erweitert Horizonte und fördert das Staunen und die Freude an der Vielfalt der Menschen, Kulturen und Regionen, die einem auf dem Weg begegnen. Und Pilgern schafft eine tiefe Befriedigung, wenn das Ziel erreicht ist.

Erfahren Sie hier mehr über das Pilgern.