Worauf sollten Gemeinden bei der Suche nach ihren neuen Kirchenältesten und der Zusammensetzung ihrer Gremien achten? Ekiba intern sprach mit Daniel Völker (Leitung Agentur für Beratung und Innovation – Strategieprozess ekiba2032) und Anne Lepper (Ehrenamtsbeauftragte der Landeskirche).
Was ändert sich durch die Kooperationsräume bei der Kirchenwahl am 1. Advent 2025?
Völker: Das kommt darauf an, ob es im Kooperationsraum bereits eine rechtliche Veränderung geben wird oder nicht. Wenn sich die Gemeinden im Kooperationsraum eine neue Rechtsform geben oder fusionieren, müssen sie sich Gedanken machen, welche Gremien sie wählen werden, wie sich Gremien künftig zusammensetzen, welche Aufgaben sie jeweils haben und wen sie für diese Aufgaben brauchen werden. Die entscheidende Bezugsgröße für die Kirchenwahlen bleibt aber weiterhin die Pfarrgemeinde, nicht der Kooperationsraum. Wenn Kirchengemeinde und Pfarrgemeinde deckungsgleich sind, dann wird als Gremium der Kirchengemeinderat gewählt, ansonsten der Ältestenkreis.
Über welche Fragen sollten sich Gemeinden im Klaren sein, bevor sie auf Kandidatensuche gehen?
Völker: Formal ist es wichtig zu wissen, wie groß das Gremium sein soll. Dazu gibt es Richtzahlen in der Handreichung zur Kirchenwahl (zu finden unter www.kirchenwahlen.de). Außerdem sollte man sich vorher überlegen, welche Rolle man dem Leitungsgremium zuschreibt. Soll der Ältestenkreis so etwas wie der „Innere Kreis“ sein, das heißt eine Versammlung der engagiertesten Kirchenmitglieder, oder soll er ein Steuerungsgremium sein? Wenn es einen Kirchengemeinderat mit mehreren Pfarrgemeinden und Ältestenkreisen gibt, dann wäre der Kirchengemeinderat das Steuerungsgremium, in der Pfarrgemeinde könnte der Ältestenkreis aber auch der Kreis der Engagiertesten sein.
Lepper: Hilfreich ist es, wenn man sich jetzt fragt: Was ist dran bei uns? Und dabei geht es nicht „nur“ um Gebäude- und Finanzfragen, sondern auch um spirituelle, rechtliche oder diakonische Themen. Man sollte sich fragen: Was ist wichtig, was wird gerade gebraucht von den Menschen vor Ort? Gibt es Themen, die Menschen Lust machen, sich zu engagieren? Es ist gut, wenn man sich jetzt schon eine Richtung für den neuen Ältestenkreis überlegt, damit dieser gut starten kann. Wenn das neue Gremium dann nach einer Weile eingearbeitet ist, kann es nochmal neu über die Richtung nachdenken.
Wie haben sich die Aufgaben der Kirchenältesten in den letzten Jahren verändert?
Lepper: Zum einen hat sich die Art des ehrenamtlichen Engagements verändert. Die Leute denken heute mehr in Themen als in Institutionen, deshalb ist es einfacher, Leute zu finden, die ein bestimmtes Thema in das Amt einbringen möchten. Das kann die Familienkirche sein, der Grüne Gockel, oder auch die Zusammenarbeit im Kooperationsraum.
Völker: Es gibt zum anderen aber auch noch klassische Ehrenamtliche, die das Ältestenamt bewusst als Leitungsamt betrachten. Also auf der einen Seite gibt es die Ehrenamtlichen mit einem eher traditionellen Amtsverständnis, aber es gibt auch die neuen Ehrenamtlichen. Wir brauchen beide.
Lepper: Es ist gut, eine Mischung von Menschen zu haben, die sich schon immer engagiert haben, und von Leuten, die in Themen denken. Es wird eine Herausforderung für die neuen Gremien, dass man sich öffnet und dass man die verschiedenen Arten, sich zu engagieren, gegenseitig wertschätzt. Dafür gibt es eine Schulung der Fachstelle Ehrenamt, die helfen kann, die verschiedene Typen des Engagements besser zu verstehen und die Zusammenarbeit zu verbessern. Ich komme auch in Gemeinden, um diese dabei zu beraten.
Braucht es für die heutige Zeit besondere Voraussetzungen, die Kirchenälteste mitbringen sollten?
Völker: Es braucht Leute, die Lust auf Zusammenarbeit haben. Wir brauchen im Ältestenkreis Menschen, die auf die Kooperation mit Nachbargemeinden und mit anderen Kooperationspartnern aus dem nichtkirchlichen Kontext ausgerichtet sind. Um den Veränderungen von Kirche gerecht zu werden, muss man auch über den Tellerrand schauen: Gibt es jemanden aus dem Diakonischen Werk bei uns in der Gemeinde? Gibt es jemanden, der Kontakte zum Ortschaftsrat, zur Nachbarschaftshilfe und zu Vereinen hat?
Es gab die Überlegung, die Kirchenwahlen wegen des Transformationsprozesses noch einmal zu verschieben. Warum hat man sich dagegen entschieden?
Völker: Zum einen finden unsere Kirchenwahlen mit Württemberg gemeinsam statt, deshalb wollten wir nicht einfach den Rhythmus ändern. Zum anderen bleiben laut unserer Verfassung alte Gremien im Amt, solange es keine neuen gibt. Man hätte also die bestehenden Gremien verpflichtet, weiterzumachen. Wir haben dieses Mal mehr Menschen, die nicht mehr kandidieren wollen. Das liegt nicht nur an einer Prozessmüdigkeit, sondern hat auch Altersgründe. Manche Ältesten fühlen sich inzwischen zu alt, um das Amt noch weiterzuführen. Es gibt also mehrere Gründe für die Wahl dieses Jahr.
Der Transformationsprozess ekiba 2032 ist anstrengend. Wie kann man in dieser Situation neue Menschen für diese wichtige Aufgabe begeistern?
Völker: Wer gestalten möchte, ist jetzt am richtigen Platz. Die Umbruchsituation ist anstrengend, eröffnet aber auch Spielräume. Für alle, die gerne gestalten, ist das jetzt eine gute Gelegenheit. Natürlich ist das nicht nur positiv und man darf dies nicht so verstehen, dass das Alte und das, was früher war, abgewertet wird. Aber es gibt die Möglichkeit, Kirche neu und anders aufzustellen; das ist auch eine große Chance.
Lepper: Das Ältestenamt ist auch eine gute Möglichkeit, mehr über den Glauben nachzudenken und ihn zu vertiefen. Man kann den Gottesdienst mitgestalten. Wir sind eine Kirche, kein Sportverein, wir können eine Dimension mehr in das Leben miteinbringen. Gerade auch in Vakanzen werden Gremien oft mehr in dieser Richtung gefordert sein. Die Verantwortungsräume von Ehrenamtlichen werden größer. Wir entwickeln uns immer mehr weg von einer „Betreuungskirche“ hin zu einer „Beteiligungskirche“. Das ist eine große Chance. Es ist aber auch eine Gradwanderung: Ehrenamtliche erhalten mehr Aufgaben und mehr Verantwortung. Damit sie nicht überfordert werden, ist es wichtig, sich zu fragen: Was ist gerade dran, was ist nicht dran? Was können wir leisten, was nicht?
Wer sollte auf mögliche Kandidatinnen und Kandidaten zugehen?
Lepper: Bei einer Umfrage, wie Menschen zu ihrem Amt gekommen sind, haben die meisten gesagt, dass sie von Menschen aus der Gemeinde gefragt wurden. An zweiter Stelle wurden der Pfarrer oder die Pfarrerin genannt, an dritter Stelle die Kirchenältesten. Wenn Menschen aus der Gemeinde mögliche Kandidierende ansprechen, bekommen diese Personen den Eindruck, ‚man traut mir was zu‘. Es ist also gut, wenn die ganze Kirchengemeinde sich das als Aufgabe nimmt, zu suchen, wer unter ihnen – und nicht nur aus dem Kreis der Engagiertesten – dieses Amt übernehmen könnte.
Wenn Sie sich die oder den optimale/n Kirchenälteste/n basteln könnten – wie sähe diese/r aus?
Völker: Ich würde mir keine einzelne Person basteln, sondern ein toll zusammengesetztes Gremium, einerseits mit Menschen, die fest verwurzelt sind, andererseits solchen, die Frisches einbringen, Junge und Alte, welche mit lokalem Blick und mit Kooperationsblick, mit verschiedenem Fachwissen etc. Ich würde auf Vielfalt setzen und damit auch verschiedene Kontaktflächen zu den Menschen auftun.
Lepper: Ich fände es toll, junge Leute dabei zu haben. Aber auf diese müssen sich Gremien auch einstellen. Eine Kirchengemeinderatssitzung am Mittwochabend um 20 Uhr ist für Jugendliche, die noch zur Schule gehen, schwierig. Junge Leute wollen auch eher in Projekten denken, sich auf sechs Jahre festzulegen ist für sie besonders schwer. Man kann ihnen vermitteln, dass man aus dem Amt auch früher wieder aussteigen kann, wenn die Lebenssituation sich geändert hat. Ich würde außerdem darauf achten, dass ich Leute habe, die richtig für ihr Thema brennen, die Lust auf Gestaltungsmöglichkeiten haben und die etwas voranbringen möchten.
Die Fragen stellte Alexandra Weber













